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Förderung für intelligente Strom-Autos

Dritter Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität / Umweltverbände kritisch

  • Von Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.
Heute wird der dritte Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) an die Bundesminister Philipp Rösler und Peter Ramsauer übergeben. Der in der Plattform vertretene Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) und die Umweltverbände Klima-Bündnis, NABU und WWF sehen den Bericht ziemlich kritisch.

Nach dem Willen der Bundesregierung soll die Elektrifizierung möglichst vieler Autos einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgasbelastungen durch den Verkehr leisten. Deshalb rief sie im Jahre 2010 die Nationale Plattform Elektromobilität ins Leben. Wenn die heute ihren dritten Fortschrittsbericht vorlegt, so ist auch dieser mehr eine Art großer Wunschzettel für Fördermittel als Zeichen tatsächlicher Fortschritte. Nach Auskunft der in der NPE vertretenen Umweltverbände gab es von Seiten der Wirtschaft erheblichen Widerstand, konkrete Klima- und Umweltschutzziele im Bericht zu nennen.

Aus Sicht der Wirtschaft sind zwei Wünsche offenbar zentral: Zum einen sollen finanzielle Kaufanreize die Differenz zwischen den Kosten für den Betrieb eines Elektroautos und denen eines mit Verbrennungsmotor möglichst ausgleichen. Zum anderen soll der Staat den Ausbau der nötigen Infrastruktur fördern. So stellt der Bericht fest, dass die bisherige Förderung nur für 600 000 Elektroautos bis 2020 ausreicht statt der geplanten Million von Fahrzeugen. Für Viviane Raddatz von der Umweltstiftung WWF ist aber schon die Berechnung dieser Mehrkosten für Elektroautos und die Infrastruktur mangels Transparenz wenig glaubwürdig. So habe die NPE unter Federführung von Daimler einen Kostenunterschied von 4900 Euro pro Fahrzeug errechnet, während die Hersteller allein aus der Verrechnung vermiedener Strafzahlungen für überhöhten CO2-Ausstoß ihrer Autoflotte pro verkauftes Elektroauto 9500 Euro sparen. Die Verbände begrüßen deshalb, dass die NPE die Kostenschätzung neu aufrollen und das Berechnungsverfahren ausschreiben will.

Als konkrete Fortschritte für die Elektromobilität in Deutschland begrüßen die Verbände die Ausschreibung und Vergabe der sogenannten Schaufensterregionen. Hier käme es nun darauf an, in der Umsetzung möglichst tragfähige Konzepte und Geschäftsmodelle für Infrastruktur und Netzeinbindung zu prüfen und Elektromobilität in der Öffentlichkeit positiv erfahrbar zu machen.

Dag Schulze, Bereichsleiter Energie beim Klima-Bündnis e.V., bemängelte die Fokussierung des NPE auf den Pkw-Verkauf statt auf ein vernetztes Mobilitätskonzept vom Elektrofahrrad bis zur Bahn. Bei den Autos sollte nicht der Verkauf, sondern eine intelligente Ladetechnik für die Batterien der Fahrzeuge gefördert werden, sagte Schulze. Damit ließen sich das Verteilnetz entlasten und Angebotsschwankungen von Strom aus Wind und Sonne besser puffern.

»Mit dem effizienten Elektroantrieb und der einfachen, weil direkten, Nutzung von regenerativem Strom kann in Kombination mit einem intermodalen Verkehrsmix eine umweltgerechte Mobilität entwickelt werden«, sagte Thomic Ruschmeyer vom BEE. Das vom BEE entwickelte »Intelligente Förderkonzept für Erneuerbare Elektromobilität« (I.D.E.E.) orientiert sich am Erneuerbare-Energien-Gesetz und soll nebenher der deutschen Wirtschaft einen weiteren Exportmarkt eröffnen. Statt, wie von Energie- und Autokonzernen gewünscht, eine komplexe zentrale Steuerung und massiv verstärkte Stromleitungen im Verteilernetz zu errichten, will das I.D.E.E.-Konzept eine relative einfache Ladesteuerung im Auto einbauen, die anhand von Frequenzschwankungen die Netzbelastung vor Ort ermittelt und den Ladestrom je nach Angebot drosselt. Die Höhe der Förderung würde dann von der Zeit abhängen, die das Auto im geregelten Ladebetrieb am Netz hängt. Die Fördegelder sollten aus den Netzentgelten kommen, da der geregelte Ladebetrieb netzstabilisierend sei, erläutert Ruschmeyer. Das Verfahren solle in einem der Schaufensterprojekte in Clausthal-Zellerfeld erprobt werden. Mit diesem Förderkonzept könne man die erneuerbaren Energiequellen und zugleich die in Deutschland heimischen Hersteller von Leistungselektronik fördern. Bei der Wirtschaft ist das Interesse an dem Konzept bisher allerdings gering.

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