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Die UEFA klaut

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die UEFA vermittelt bei dieser EM das Bild eines wahnsinnig beschäftigten Verbandes. Alles zum Wohle des Fußballs. Zehn Verfahren hat sie während der zwölf Gruppenspieltage bereits angestrengt. Gegen nationale Verbände wegen Fehlverhaltens der Fans oder weil Spieler zu spät vom Pausentee kamen. Gegen einen Profi wegen unerlaubter Werbung. Diese ist in den drei Turnierwochen nur dem elitären Kreis der UEFA-Partner erlaubt. Sogar die Fernsehbilder werden kontrolliert und gesteuert. Der Verband als Ankläger, Anwalt und Richter zugleich für einen fairen und reinen Sport. Die Schuld ist somit logischerweise für andere reserviert.

Ausgerechnet gestern glänzte die UEFA durch Abwesenheit. Die angesetzte Pressekonferenz mit Turnierdirektor Martin Kallen und UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino fand einfach nicht statt. Wohlweislich, denn beide hätten im Frage- und Antwortspiel unweigerlich auf der Anklagebank gesessen - als Schuldige, vertretungsweise für ihren Verband und dessen Chef Michel Platini. Der Vorwurf? Diebstahl! »Sie haben uns ein Tor geklaut«, hatte der ukrainische Trainer Oleg Blochin am späten Dienstagabend gewettert. Trotz eines regulären Treffers - die Fernsehbilder dienen als eindeutiger Beweis - hatte sein Team 0:1 verloren, und schied aus.

Alles, was die UEFA zu ihrer Entlastung hätte anbringen können, kann dank Platini nun gegen sie verwendet werden. Da es bis Montag kaum strittige Entscheidungen gegeben hatte, lobte er die Schiedsrichtergespanne und den zusätzlichen Einsatz von zwei Torrichtern: »Zu fünft sehen sie alles.« Der Fehler des nicht gegebenen Tores bei der WM 2010 von Frank Lampard gegen die DFB-Elf wäre bei zehn unparteiischen Augen nicht passiert. Deshalb ist Platini »gegen Technik im Fußball.«

Da neben namhaften Schiedsrichtern, Trainern, Nationalspielern, Lichtgestalten und Ex-DFB-Präsidenten nun auch Weltfußballchef Sepp Blatter, FIFA-Boss und langjähriger Technikverweigerer, Torkamera oder Chip im Ball seit Dienstag als »Notwendigkeit« erachtet, sollte sich Platini ein schnelles Schuldeingeständnis abringen. So könnten er und die UEFA zumindest auf mildernde Umstände plädieren. Das Vergehen, auf der Suche nach Gerechtigkeit in der grundlegendsten Frage des Fußballs - Sieg oder Niederlage? - vorsätzlich untätig zu sein, ist schon schwer genug.

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