Auf Klippen des Mutes: Sprung in den Schmerz

Friedenspreis des deutschen Buchhandels für Liao Yiwu:

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.
Es wäre schäbig, Preisvergaben an schreibende Traumatiker wie Herta Müller (Literaturnobelpreis) oder Liu Xiaobo (Friedensnobelpreis) oder nun Liao Yiwu (Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2012) als spendablen Antikommunismus verächtlich zu machen.

Gibt es solche Stimmen? Das wäre, als würde man der Literatur plötzlich vorwerfen, was doch ihren Herzschlag ausmacht: das Leiden des Einzelnen, ja: übertreiben, es hochtreiben ins nicht mehr zu Leugnende, es dem Verdrängen austreiben, es über unsere glatten Bewusstseinsflächen treiben, bis die wieder aufgerissen sind wie Weiden von Pferdehufen; Literatur lässt die quälenden, erschütternden Wahrnehmungen eines einzelnen Schicksals laut werden, als seien sie eine universale Kunde. Als seien sie die Welt. Sie sind, sie bilden die Welt - an vielen trostlosen Enden und blutigen Ecken. Durch die Stimmen der Literaturen werden die Isolierten zur Gemeinschaft mit Chorkraft.

Das kommunist...


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