»Wir Ägypter haben gelernt, wie man seine Meinung sagt«

Angesichts einer sich zuspitzenden Krise drängt die Zeit: Einen Machtkampf kann sich das Land eigentlich nicht leisten

  • Von Oliver Eberhardt, Kairo
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

In Ägypten bahnt sich eine soziale Krise an, während der Machtkampf um die Zukunft des Parlaments andauert. Präsident Mursi versucht gegenzusteuern, indem er die Nähe zum Westen sucht.

Als sich der Kofferraum öffnet, taucht wie aus dem Nichts eine Hand auf. »Sie - Hilfe?«, fragt eine Stimme, »Bitte ...« In der Ferne strahlen die Pyramiden von Gizeh gleißend in der Sommersonne. Im Schatten der Kofferraumklappe greift der Helfer, ein junger Mann von vielleicht 15, 16 Jahren, nach Metallkoffern mit Kameras und Kabeln unseres Filmteams.

»Wir Ägypter sind ein stolzes Volk«, sagt Tarek Shawki, der Übersetzer, »Die Armen halten lieber Türen auf oder schleppen Koffer, als dass sie die Leute anbetteln.« Und so hat sich ein Heer aus Helfern, Jung und Alt, gebildet, die sich überall dort versammeln, wo Ausländer und finanziell besser gestellte Einheimische anzutreffen sind, stets in der Hoffnung auf ein paar ägyptische Pfund oder besser Euro, Dollar, Jordanische Dinar, »irgendwas Stabiles«, erläutert Tarek. In diesen Tagen drängt sich der Eindruck auf, dass das Heer der Helfer größer geworden ist.

»Ihr Eindruck ist richtig«,...

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