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Fremd- und selbstbegrenzt

Das No Border Camp in Köln wird beargwöhnt von der Stadt - aber auch von Linken

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Ein »No Border Camp« will in Köln und Düsseldorf bis zum kommenden Wochenende gegen Abschiebungen und Rassismus mobil machen. Die Behörden sind nicht begeistert. Doch die Antirassisten stehen sich mitunter auch selbst im Weg.

Am Wochenende begann ein No Border Camp (»Keine-Grenzen-Lager«) im Rheinland. In Köln, dem Hauptsitz des Camps, wurde am Rheinufer eine Infrastruktur für die 500 bis 1000 erwarteten Teilnehmer aufgeschlagen - nach zähen Verhandlungen mit Stadt und Polizei, heißt es aus Kreisen der Veranstalter. Neben antirassistischen Basisgruppen tragen auch Selbstorganisationen von Flüchtlingen und Roma wie »The Voice«, die »Karavane« oder »Yag Bari« die Aktionen mit. Ein kleineres Camp in der Düsseldorfer Innenstadt sei jedoch von Stadt, Polizei und Verwaltungsgericht Düsseldorf verboten worden.

In der NRW-Landeshauptstadt wollen Flüchtlinge, ähnlich wie in Würzburg, Regensburg, Bamberg und Osnabrück, gegen ihre miserable Lage demonstrieren. Derzeit harren sie in Landtagsnähe in einem Pavillon aus. Zelte aufschlagen und darin übernachten dürfen sie nicht. Eine Demonstration »für das Recht auf Protest« konnte gestern erst mit über einer Stunde Verspätung beginnen. »Die Polizei hielt anreisende Teilnehmer fest, um ihre Personalien aufzunehmen und sie wollte uns unangemessene Auflagen erteilen«, so Anmelder Frank Laubenburg. »Das ist eine für Düsseldorf neue repressive Strategie«, betonte der LINKE-Politiker und Düsseldorfer Ratsherr. Dennoch hätten an dem Umzug bei strömendem Regen 250 Personen teilgenommen.

Das Programm des antirassistischen Camps umfasst öffentlichen Aktionen, Konzerte, Vorträge und Workshops unter dem übergreifenden Motto »zusammenkommen, sich austauschen, vernetzen, handlungsfähiger werden«. Themen sind insbesondere Flüchtlingsabschiebungen vom Düsseldorfer Flughafen und die Diskriminierung von Roma und Sinti. Politisches Ziel der Aktivisten sei die »globale Bewegungsfreiheit«, so eine Sprecherin des Camps - also eine Welt ohne Grenzen und entsprechend ohne Grenzkontrollen.

Gleichwohl spiegelt das Camp nur einen Teil der antirassistischen Szene wider und findet wenig bis keine Unterstützung in anderen linken oder in kirchlich-kritischen Milieus. Das letzte Grenzcamp auf deutschem Territorium hatte 2003 in Köln stattgefunden und war durch einen hochgradig umstrittenen Polizeieinsatz aufgelöst worden.

In einem Diskussionsbeitrag, den »antiautoritäre antirassistische Gruppen« anonym auf der linksradikalen Internetplattform »Indymedia« veröffentlichten, ist von »grundsätzlichen politischen Meinungsverschiedenheiten« und »erheblichen Auseinandersetzungen« im Vorfeld des Kölner Camps die Rede. Glaubt man dem Text und den darunter stehenden Kommentaren, so geht es im Kern um die Frage, welche Rolle Menschen weißer Hautfarbe in antirassistischen Kämpfen einnehmen sollen - respektive, ob sie überhaupt eine Rolle einnehmen dürfen.

»Nicht die erste Geige spielen« oder überhaupt »nicht antirassistisch agieren« dürfen und stattdessen »Weißsein zu reflektieren« - das ist demgemäß die Frage. »In diesem Sinne ist nun auch nur noch die Rede von einer Vernetzung zwischen Geflüchteten, People of Colour, Roma und schwarzen Menschen in Deutschland«, heißt es etwas kryptisch in dem Text. »Shut up and listen« (»Halt die Schnauze und hör zu«) werde derweil allen anderen, also »weißen« Mitstreitern, »empfohlen«. Und offenbar gibt es weißhäutige (Anti-)Rassisten, die dieser Argumentation folgen.

Diese alle Menschen weißer Hautfarbe über einen Kamm scherende Position ist natürlich hochgradig umstritten. So befürchtet ein Kommentator, dass deswegen die antirassistische Bewegung »total an die Wand geht«. Das Hauptproblem, ruft ein Flüchtling die Kritiker zur Ordnung, sei nicht der »Rassismus auf dem Camp, sondern der von Security, Polizei und Nazis«. Das Argument will ihm nicht einleuchten: Doch »nun sagt ihr, ihr seid selbst Rassisten, weil ihr weiß seid«. Das, befindet der Selbstkritik-Kritiker, sei »Unsinn«. Kommentar Seite 4

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