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Endgültige Trendwende?

Baden-Württembergs IG Metall strotzt vor Optimismus. Das wurde bei ihrer Großen Bezirkskonferenz in der vergangenen Woche in Ludwigsburg deutlich. Und es hat seinen Grund: In den vergangenen zwölf Monaten konnte die IG Metall ihre Mitgliedschaft in ihrem traditionellen Pilotbezirk um ein Prozent auf 417 000 steigern. Das klingt nicht viel, ist aber durchaus bedeutend. Denn jahrelang kannte die Mitgliederentwicklung von Europas größter Industriegewerkschaft nur eine Richtung: nach unten, und zwar zeitweise ziemlich schnell.

Nun sei die Trendwende endgültig erreicht, verkündete IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann. Ein Grund hierfür sei »die erfolgreiche Krisenintervention« der Gewerkschaft. Oberflächlich betrachtet mutet der Ausgang des tiefsten Wirtschaftseinbruchs seit 1929 in der Tat wie eine reine Erfolgsstory an: Bei Daimler, Bosch und Co. laufen die Bänder wieder heiß, die Beschäftigten erhalten Rekordprämien und zum Teil werden neue Leute eingestellt. Doch der zweite Blick fällt kritischer aus: Bezahlt haben die rasche Krisenüberwindung in erster Linie die Beschäftigten, mit Lohneinbußen und der Entlassung Zehntausender Leiharbeiter und befristet Beschäftigter binnen weniger Wochen. Und: Deutschland hat seine Krise - mit nicht unerheblicher Unterstützung der Gewerkschaften - exportiert. Jahrelange Lohnzurückhaltung, die extreme Flexibilisierung der Arbeits- und Betriebsnutzungszeiten sowie die Ausweitung prekärer Beschäftigung haben dazu geführt, dass die ohnehin hochproduktive deutsche Industrie die europäische Konkurrenz geradezu niederwalzen kann. Den Schaden haben die Arbeiter in Griechenland, Spanien, Frankreich.

Aber auch die hiesigen Belegschaften sollten sich nicht zu sicher fühlen. Chinas Boom verlangsamt sich, der von Deutschland europaweit durchgesetzte Sozialabbau schlägt auf die Exporte. Gut, dass sich die Delegierten der Südwest-IG-Metall in einer Resolution klar für die »Abkehr von einer einseitigen Belastung der abhängig Beschäftigten, Arbeitslosen und Rentnern« in den sogenannten Krisenländern ausgesprochen haben. Resolutionen werden allerdings nicht reichen, um einen solchen Kurswechsel der deutschen Politik durchzusetzen.

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