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Charité-Ärzte bei Timoschenko

Andreas Fritsche weist auf hiesige Missstände hin

Dafür haben sie Zeit: Heute wollen Karl Max Einhäupl, Lutz Harms und Anett Reißhauer - der Leiter, ein Neurologe und eine Rehaspezialistin der Charité - in die Ukraine fliegen, um dort nach der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko zu schauen. Die drei Ärzte behandeln die 51-Jährige, die mit einem Bandscheibenvorfall in einem Krankenhaus in Charkow liegt, bereits sei Anfang des Jahres. Die Bundesregierung hat dies vermittelt, die Familie Timoschenkos bezahlt.

Dabei lässt die Betreuung von Patienten an der Universitätsklinik selbst zu wünschen übrig. Anerkannte Experten bilden hier nicht nur Studenten aus. Sie heilen mit modernsten Geräten nach neuesten Methoden und suchen nach immer besseren Therapien. Auch die Charité leidet aber, wie im Grunde alle deutschen Krankenhäuser, an akutem Personalmangel. Nur ein Beispiel: Wenn Angehörige einen Arzt sprechen möchten oder Patienten einen Termin vereinbaren wollen, kann es Stunden und Tage dauern, bis sich jemand Zeit für sie nimmt oder überhaupt nur den Telefonhörer abnimmt. In manchen Abteilungen ist die Kontaktaufnahme beinahe unmöglich. Das sind keine Einzelfälle, sondern über viele Monate hinweg von etlichen Betroffenen gemachte Erfahrungen.

Nun ist es keineswegs so, dass sich die Beschäftigten vor der Arbeit drücken würden. Sie leisten in der Regel einen aufopferungsvollen Dienst. Aber es gibt einfach zu wenig Ärzte, Krankenschwestern und sonstiges Personal an der Charité. Das ist freilich nicht die Schuld des renommierten Professors Einhäupl und seiner Kollegen. Es fließen einfach zu wenig Mittel.

Zwar sollen Ärzte jedem Kranken helfen. Sie haben einen Eid geschworen. Trotzdem fragt sich der Normalsterbliche, warum noch Zeit bleibt für den medizinisch sicher unspektakulären, aber politisch brisanten Fall Timoschenko.

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