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Die Bilder auf der Leinwand gingen um die Welt

Es hat Jahre gedauert, bevor der erste Libanon-Krieg vom Tabu zum Thema großer Filme wurde

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 3 Min.

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Als Joseph Cedar, Ari Folman und Samuel Maoz ihre Erlebnisse nach Jahren des Schweigens endlich künstlerisch verarbeiteten, wurden die Filme umso größer - und trugen die Bilder von der Traumatisierung israelischer Rekruten in einem letztlich sinnlosen Krieg um die ganze Welt. 2007 gewann Cedar mit »Beaufort« bei der Berlinale den Silbernen Bären für die Beste Regie. 2008 machte Folman in Cannes mit seinem halb dokumentarischen, halb zeichnerisch überhöhten »Waltz With Bashir« Furore. 2009 brachte die filmische Erinnerung an Gestank und klaustrophobe Enge in einem israelischen Panzer Samuel Maoz für seinen Film »Lebanon« in Venedig den Goldenen Löwen.

Maoz, der gleich zu Beginn der Invasion dabei war, zeigt den Krieg als Kammerspiel. Für die Männer im Panzer beginnt und endet er in einem Sonnenblumenfeld, er besteht aus Angst, Wut, Rebellion, aus Schuld, Ekel und Mord. Mit Heldentaten hat er gleich gar nichts zu tun, und wer ihn erlebte, hat die Erfahrung noch Jahrzehnte später nicht verwunden. »Am 6. Juni 1982, um 6.15 Uhr in der Früh, habe ich meinen ersten Menschen getötet. Nicht aus eigener Wahl, sondern weil es mir befohlen wurde. Am 6. Juni 1982 war ich 20 Jahre alt«, fasst Maoz' Erzähler dessen Erlebnisse als wehrpflichtiger Panzerschütze zusammen. Maoz' Spielfilmdebüt ist eine Umsetzung dieser traumatischen Erinnerungen - und ein Akt der Selbsttherapie.

Maoz' Familie feierte seine unversehrte Heimkehr, die inneren Wunden blieben verborgen. 25 Jahre später verschaffte »Lebanon« ihnen ein Ventil in nachhaltigen Bilder über die Bedingungen im Panzer mit Dreck, Lärm, Ladehemmung vor dem ersten Abdrücken und einer Kette von letalen Fehlentscheidungen danach, Bilder über die Zerstörung, die der Panzer hinterlässt, und das Gefühl des Ausgeliefertseins bei jedem Angriff. Vier Rekruten, eingesperrt in eine Sardinenbüchse unter Beschuss, die die Außenwelt als Bildersalat durch ein Zielfernrohr mit Fadenkreuz wahrnehmen, überfordert, gefährdet und gefährlich.

Auch Filmemacher Ari Folman leistete den Wehrdienst während des Libanon-Krieges. 25 Jahre später besuchte er die Mitrekruten von damals und befragte sie nach ihrem Erleben und Erinnern. Alles, was gesagt wird in diesem Film, ist dokumentarisch. Aber Folman filmte nicht einfach sprechende Köpfe, sondern goss das kollektiv verdrängte Trauma in comic-artige, animierte Bilder. Sie illustrieren sprachliche Ausweichmanöver, seelische Verletzungen und das Grauen vor den eigenen Taten (und Unterlassungen), die sich oft erst im Nachhinein als Mosaiksteinchen in einem Gesamtbild erwiesen, an dem man, einmal aus der Armee entlassen, nun wirklich keinen Anteil haben mochte. Die Massaker in den Palästinenserlagern von Sabra und Schatila zum Beispiel, die stattfanden, während Folman und seine Truppe in nächster Nähe stationiert waren. Joseph Cedar schließlich schildert in »Beaufort« (nach einem Roman von Ron Leshem) die Spätphase des Krieges, kurz vor dem Abzug im Jahr 2000. Sein Trupp israelischer Soldaten erlebt erzwungene Intimität und Abgeschlossenheit von der Welt da draußen nicht in einem Panzer, sondern in einer jahrhundertealten Kreuzfahrerfestung, von der israelischen Armee einst eher aus Versehen eingenommen, dann 18 Jahre lang verbissen verteidigt. Weil es der Hisbollah auf der anderen Seite politisch nützt, wenn der bevorstehende Abzug der Israelis nicht wie ein von langer Hand geplanter, ordentlicher Rückzug aussieht, sondern wie eine Vertreibung, sind die letzten Tage im Fort für die jungen Soldaten, die die Festung bis zum Stichtag halten sollen, besonders verlustreich. Eine Festung, die man gar nicht wollte, aber schließlich unter hohen Opfern besetzt hält, bis man sie freiwillig aufgibt - deutlicher kann man die Sinnlosigkeit des Krieges kaum erzählen.

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