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Journalisten im Fadenkreuz

Syriens Rebellen mögen nur ihre eigene Berichterstattung

  • Von Karin Leukefeld, Damaskus
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wie es mit der »freien« Berichterstattung über den Syrien-Konflikt bestellt ist, zeigen terroristische Übergriffe seitens der bewaffneten Opposition gegen syrische Journalisten.

»Das ist unser Alltag heute, jeden Tag Todesmeldungen. Heute der Tod unseres Kollegen, gestern erfuhr ich von sechs jungen Männern, die getötet wurden. Alle wohnten in meiner Nachbarschaft, hatten studiert und waren Soldaten.« Reem J. arbeitet im syrischen Informationsministerium und beim Syrischen Fernsehen in Damaskus. Sie trägt schwarz, ihr dichtes, schwarzes Haar ist zurückgebunden, unter den Augen liegen tiefe Schatten. Am Morgen kam die Meldung, dass Ali Abbas, Leiter der Internationalen Nachrichtenredaktion bei der Syrischen Arabischen Nachrichtenagentur (SANA), am Sonnabend in seiner Wohnung erschossen wurde. Seit Freitag wird ein vierköpfiges Team des Fernsehsenders Al-Ikhbariya vermisst, es war auf dem Rückweg von einem Dreheinsatz in Tel Mnin von bewaffneten Aufständischen entführt worden.

Der Sender steht, wie alle syrischen Medien, auf der Abschussliste bewaffneter Aufständischer. Ende Juni wurde der Sender bei einem Überfall gesprengt, sieben Mitarbeiter, darunter drei Reporter, wurden ermordet. Das nun entführte Team hatte mehrfach die syrische Armee begleitet und quasi »eingebettet« über militärische Operationen berichtet. Diese Berichte rücken Meldungen der Aufständischen in ein anderes Licht, denen in den arabischen Sendern Al-Dschasira (Katar) und Al-Arabija (Saudi-Arabien) rund um die Uhr eine Plattform geboten wird. Wer gegen die Regierung eingestellt ist, glaubt diesen Sendern mehr als der Realität vor der eigenen Haustür, sagt ein Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte. Er habe selber Meldungen überprüft und für falsch befunden.

Syrische Kollegen vermuten, dass sie mit der Terrorkampagne zum Schweigen gebracht werden sollen. »Die ausländischen Medien stellen uns alle als ›Schabiha‹, als Milizen des Regimes dar«, sagt Reem J. Dabei hätten syrische Medien ihr journalistisches und technisches Personal in Deutschland, Jordanien und Indien geschult. Etliche, die heute beim syrischen Fernsehen arbeiteten, hätten ihre Ausbildung bei Al-Dschasira begonnen. Der Sender war bis zum Frühsommer 2011 mit einem Büro in Damaskus vertreten.

Reem J. arbeitet zusätzliche Schichten, weil Kollegen wegen Kämpfen oder Drohungen ihre Wohnungen nicht mehr verlassen können. Manche wurden in Hotels untergebracht, Sicherheitsvorkehrungen wurden erhöht. Eine martialische Botschaft der bis Ende 2011 unbekannten islamistischen Al-Nusra-Front, die nach eigenen Angaben den prominenten Fernsehmoderator und Sprecher Mohammed as-Saeed entführt und ermordet haben will, bestätigt die schlimmsten Befürchtungen. »Die Schwerter der Mudschaheddin werden ihre Köpfe abschlagen und die Levante von ihren Obszönitäten reinigen«, wird den syrischen Medien gedroht. Nach Angaben des russischen Senders Russia Today soll es bei bewaffneten Gruppen zudem eine Todesliste für Beamte und Angestellte in öffentlichen Einrichtungen geben: »Ärzte, Lehrer, städtische Angestellte seien in Gefahr, entführt oder ermordet zu werden, einfach nur weil sie ihre Arbeit tun«, heißt es in einem Bericht.

Untermauert werden die Drohungen durch brutale Aufnahmen, die im Internet-Videoportal Youtube zu sehen sind. Da wird gezeigt, wie ein angeblicher Mitarbeiter der syrischen Sicherheitskräfte aus seinem Wagen gezerrt und auf offener Straße erschossen wird. Anschließend feuern die Täter weitere Dutzende Male auf den toten Mann. Ein anderes Video zeigt, wie Personen aus dem vierten Stock eines Hauses zu Tode geworfen werden. Die Aufnahmen werden offenbar mit Mobiltelefonen gemacht und anschließend im Internet veröffentlicht.

Wer in der Nähe des Regimes vermutet wird, gerät in das Visier der Aufständischen. Foto: AFP/Phil Moore

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