Von Stephan Lindner

Spree-Solidarität mit Griechenland

Zivilgesellschaft und linke Gruppen planen vielfältige Aktionen in der Hauptstadt

Viele Berliner wollen den antigriechischen Pöbeleien von Politikern und Medien etwas entgegensetzen. Seit dort nur noch von Rettungsschirmen die Rede ist, setzt sich die Aktionskünstlerin Ute Donner dafür ein, dass diese zukünftig nicht mehr für Banken, sondern für Menschen aufgespannt werden. Durch bunt bemalte Regenschirme hofft sie, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Seit sie erfuhr, dass sich ein Rentner aus Protest gegen die Kürzungspolitik vor dem griechischen Parlament erschoss, sitzt sie jedes Wochenende mit ihren Schirmen am Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus.

Henning Zierock ist Vorsitzender der Gesellschaft Kultur des Friedens und im Bundestag in der Hauptstadt bei einer Abgeordnete der Linkspartei beschäftigt. In seiner schwäbischen Heimat leitete er einen nach dem griechischen Musiker Miki Theodorakis benannten Chor, mit dem er auch seit vielen Jahren befreundet ist. »In Griechenland wird das ganze Land kaputt gespart, während die Militärausgaben munter weiter sprudeln«, empört er sich. Im Sommerurlaub wird er wieder seinen berühmten Freund in Griechenland besuchen, um mit ihm gemeinsam zu beraten, wie der Widerstand gegen diese Politik stärker werden kann. Für was er sich im Herbst genau engagieren wird, kann er noch nicht sagen. Ideen hat er aber schon einige. Am besten gefällt ihm derzeit eine Aktion am Antikriegstag, um gegen die hohen griechischen Rüstungsausgaben zu protestieren. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, könnte er sich auch vorstellen, mit anderen befreundeten Musikern wie Konstantin Wecker ein großes Solidaritätskonzert auf die Beine zu stellen. Wichtig ist ihm, mit möglichst vielen anderen Gruppen aktiv zu werden. Dass er weiß, wie so was geht, bewies er bereits im Juni. Damals organisierte er eine größere Protestaktion gegen die deutsche Griechenlandpolitik vor dem Bundeskanzleramt mit, an der sich auch die LINKE, Attac und andere Organisationen beteiligten.

In Berlin lebende Griechen haben Real democracy now (Echte Demokratie jetzt) gegründet. Sie wollen über Demokratieverfall, Polizeiwillkür, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in ihrer Heimat aufklären. Dazu kooperieren sie mit Gruppen wie Occupy, dem SDS oder Attac, die sie auch durch Sprachkenntnisse und Kontakte nach Griechenland unterstützen.

Davon profitiert auch das Solidaritätskomitee Griechenland, das kürzlich von einigen linksradikalen Gruppen gegründet wurde. Es will aufklären und Spenden für Partner in Griechenland sammeln. Morgen findet um 19 Uhr seine erste öffentliche Veranstaltung statt (Allmende, Kottbusser Damm 25/26 VH 3. Stock), bei der Andreas Kloke aus Athen berichten wird, wo er seit vielen Jahren lebt und in der Lehrergewerkschaft und im Bündnis der radikalen Linken Antarsya aktiv ist.

Stephan Lindner ist Mitglied im Koordinierungskreis von Attac

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