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Bund beendet die Ära zum Jahresende 2012

Bundesschatzbriefe

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Bundesschatzbriefe haben einen legendären Ruf, etwa wie der Volkswagen oder der Sandmann. Der erste »Schatz« war im Jahr 1969 eingeführt worden. Für viele Bürger wurden der Bundesschatzbrief zur ersten »richtigen« Geldanlage nach dem Sparbuch. Eltern verschenkten Schatzbriefe an ihre Kinder, Großeltern an die Enkel. Doch die vermeintliche »goldene Ära« geht zum Ende des Jahres 2012 zu Ende.

Die lange auch für Kleinsparer lukrativen Bundeswertpapiere hatten einen politischen Auftrag: Die Bindung der Bürger, der Gläubiger, an den Schuldner Staat. Außerdem sind Bundeswertpapiere mündelsicher im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 1807 BGB). Was auch für Kleinsparer wichtig sein kann - etwa wenn sie Geld für ihre Enkelkinder oder für nahe Verwandte sicher anlegen wollen.

Doch die Rendite fällt regelmäßig schlechter aus

Bundeswertpapiere sind finanztheoretisch noch sicherer als Pfandbriefe, für die ein Pfand wie beispielsweise Immobilien hinterlegt sind. Die Sicherheit hat jedoch ihren Preis. Allerdings fällt die Rendite der Bundeswertpapiere regelmäßig schlechter aus als beim riskanteren Konkurrenten, dem Pfandbrief. Dabei geht es zwar nur um Stellen hinter dem Komma, doch ein kleiner Unterschied von selbst 0,1 Prozentpunkte macht über einen längeren Zeitraum doch in Euro eine erhebliche Differenz aus.

Allerdings können bei Bundeswertpapieren die Gebühren für ein Wertpapierdepot entfallen. Das hilft Kosten einsparen und hebt dadurch die Nettorendite ein wenig. Dafür benötigen die Besitzer von Bundeswertpapieren zunächst ein »Schuldbuchkonto« bei der Finanzagentur des Bundes. Sie müssen also keine Bank dazwischen schalten.

Ähnlich einem Bankdepot werden im Schuldbuchkonto sämtliche erworbenen Bundeswertpapiere verwahrt. Die Verwaltung ist vollkommen kostenlos und von zu Hause aus per Internet, Telefon oder Post zu handhaben:

Bundesrepublik Deutschland
Finanzagentur GmbH
60653 Frankfurt am Main
Tel. (0800) 222 55 10

www.bundeswertpapiere.de

Aktuelle Zinssätze und Konditionen sind telefonisch unter (0800) 222 55 60 automatisch und kostenlos zu erfahren.

Bundeswertpapiere gibt es in verschiedensten Formen und mit unterschiedlichen Laufzeiten. Tagesanleihen sind täglich kündbar, dagegen können Bundesanleihen über zehn oder gar 30 Jahre laufen.

Für Sparer sind besonders Finanzierungsschätze interessant und der Klassiker unter den Bundeswertpapieren: der Bundesschatzbrief. Ab 52 Euro ist ein Bundesschatzbrief mit sechs oder siebenjähriger Laufzeit zu erwerben (jährliche Rendite: 0,05 bis 1,75 Prozent). Mindestens 500 Euro muss man für einen einjährigen Finanzierungsschatz des Bundes anlegen.

Ende des Geschäfts mit Privatkunden Ende 2012

Doch im Juli kündigte der Bund überraschend das Aus für den finanziell sicheren Hafen an. Das Bundesministerium der Finanzen habe »unter dem Gebot einer möglichst kostengünstigen Gestaltung der Kreditaufnahme des Bundes« entschieden, das Privatkundengeschäft mit Bundeswertpapieren zum Jahresende 2012 zu beenden. Bis dahin kann noch geordert werden. Für Bestandskunden werden alle bestehenden Konten bis zur Fälligkeit der darin verwalteten Bundeswertpapiere fortgeführt.

Was ändert sich nach Ende des Jahres 2012?

Nach dem Jahresende 2012 wird der Bund keine neuen Serien von Bundesschatzbriefen und Ausgaben von Finanzierungsschätzen des Bundes mehr auflegen. Ebenso wird der Vertrieb der Tagesanleihe an Neukunden eingestellt. Der gebührenfreie Erwerb der zuletzt börseneingeführten Serie von Bundesobligationen läuft mit der Serie 163 aus.

Wer Fragen zum Einzelschuldbuchkonto hat, kann die Servicenummern (0800)100 40 30 oder (069) 25 616 17 71 anrufen.

Vertrieb und Verwaltung konnten nicht wirtschaftlich erbracht werden, ließ die Bundesfinanzagentur wissen. Der Anteil der Privatanleger an der jährlichen neuen Schuldenaufnahme lag zuletzt unter einem Prozent. Viel höher lag er jedoch zuletzt nie. Seit die Bürger über Kapitallebensversicherungen, private Riester-Renten und Pensionsfonds indirekt den Schuldenberg massenhaft mitfinanzieren, sank das Interesse des Bundes an dem finanziell unbedeutenden Privatkundengeschäft und damit die angebotenen Zinssätze. Dabei hatte der Bundesschatzbrief auch schon bessere Zeiten gesehen. Wer früher in dieser Sparform anlegte, erreichte eine Rendite von rund 6,5 Prozent.

Verbraucherschützer: Unverständliche Beerdigung

»Abgesehen von der jüngsten Zeit war der Bundesschatzbrief das von uns am meisten empfohlene Produkt zur Geldanlage«, sagte Verbraucherschützerin Edda Castelló. »Seine Beerdigung ist unverständlich, denn die Zinsen werden wieder steigen.«

Das mag so kommen, aber gemessen an anderen Finanzprodukten wären die vom Bund ungeliebten Bundesschatzbriefe weiterhin mit einer unattraktiven Verzinsung versehen geworden.

Wie dem auch sei: Selbst angesichts der zurzeit noch niedrigen Preissteigerungsrate in Deutschland sind die Zinssätze der Bundespapiere zu niedrig, um wirklich empfehlenswert zu sein. Pfandbriefe bieten eine ähnlich hohe Sicherheit plus eine höhere Rendite.
HERMANNUS PFEIFFER

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