Ein Sport im Aufwind

Die Trendsportart Kitesurfen wird 2016 olympisch sein - nicht allen gefällt das

Beim letzten »Big Air Best Trick Contest« holte Nils Wesch den dritten Platz - nicht schlecht für den Norddeutschen, der nach vielen Juniorentiteln nun um die Weltspitze mitkämpft. Die Station der WM-Serie der Kitesurfer auf Fuerteventura, bei dem die besten Winddrachensurfer der Welt in den - für eine Trendsportart typisch englischsprachigen - Disziplinen Freestyle, Wave und Race antreten, war ein Erfolg für den 18-Jährigen, der hoch hinaus will. »Zurzeit ist mein Fokus beim Freestyle, aber ich werde natürlich auch beim Racen mein Bestes geben, um im deutschen Kader dabei zu sein.« Er meint den Olympiakader 2016 in Rio de Janeiro, wo Kitesurfen erstmals olympisch sein wird.

Mit Hilfe eines Flugdrachens (englisch Kite) nehmen die auf einem kleinen Surfbrett stehenden Sportler Geschwindigkeit auf und gleiten über die Wasseroberfläche. Spektakuläre Sprünge sind dabei der große Reiz, auch für die Zuschauer. Die relativ neue Funsportart ist ein Mix aus Windsurfen, Paragliden und Gymnastik und verbreitete sich schnell in den vergangenen Jahren - ein Spaß-Sport im Aufwind.

Noch vor wenigen Jahren war die Szene um das Kiten, die sich aus Windsurfern zusammenfand, sehr beschaulich. Obwohl es aufgrund von Gefahren, etwa in Steinmolen reinzurauschen, an vielen Küstenstrichen nicht erlaubt ist, wuchs das Interesse am Sport doch stetig. »Vor ein paar Jahren kannten wir uns alle gegenseitig auf dem Wasser. Heutzutage sind sehr viele neue Gesichter unterwegs, vor allem auch junge Leute«, sagt Wesch mit gewisser Freude.

Nun sollen bei den nächsten Olympischen Spielen einige Segelklassen aus dem Programm gestrichen werden, um den Kitern Platz zu machen. Starboot und die Surf-Klasse RS:X fallen der Neuerung zum Opfer. Rolf Bähr, Präsident des Deutschen Segler-Verbandes, meint: »Natürlich ist Kiten aufregend und spektakulär, andererseits aber nicht nur in Deutschland fast überall verboten. Wie kann das dann jetzt schon olympische Sportart werden?« Das Internationale Olympische Komitee scheint trotzdem den Zeitgeist treffen zu wollen und bleibt bei der Entscheidung, die Kiter zuzulassen, auch wenn die traditionellen Segler damit verärgert werden.

Einige Kiter der ersten Stunde sind auch skeptisch: »Es ist zwar schön, dass der Sport mehr und mehr Begeisterung findet, aber das anfängliche Gemeinschaftsgefühl leidet darunter - es geht immer mehr darum wer besser ist und wer welchen Sponsor hat. Dadurch geht der Spirit für mich verloren«, bedauert ein älterer Kiteboarder von Weschs Heimatstrand bei Flensburg das schwindende Ursprungsgefühl in der Szene. Wesch zumindest freut sich über die Olympia-Neuigkeit und bezeichnet sie als einen »riesengroßen Schritt« für seinen Sport.

Auch Nicht-Kiter dürfen sich mitfreuen, denn allein das Zusehen bringt schon Spaß. Vielleicht kann das Kiten ja einen ähnlichen Erfolg als Publikumshit feiern wie das BMX-Fahren, das in London zwar erst zum zweiten Mal dabei war, aber die Zuschauer durch die spektakulären Flugelemente begeisterte. »Das Beste am Kiten ist, dass man nie aufhört, neue Tricks oder Sprünge zu lernen. Es gibt immer einen nächsten Schritt, wodurch der Sport einfach nie langweilig wird«, schwärmt Wesch. Langweilig wird's also nur bei Flaute.

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