Werbung

Ende ohne Einsicht

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Ein alter Mann vor Gericht. Angeklagt wegen der Mauertoten. Entschlossen, sein Lebenswerk zu verteidigen. Erich Honecker Ende 1992: nicht mehr der Staatsmann, der er noch gern sein wollte; aber auch nicht der Bürger, der er hätte sein können. Bürger Honecker - diese Worte sperren sich gegeneinander.

Die Umstände halfen ihm, nötigten ihn vielleicht sogar, auf dem Sockel zu verharren. Im Herbst 1989 von den eigenen Genossen entmachtet, bevor es das Volk tun konnte, stand er plötzlich auf der Straße. Eben noch mächtigster Mann im Staate, nun ohne Obdach; der letzte Paria. Hin und her gestoßen, nach Moskau geflohen, wieder abgeschoben - ins Gefängnis von Moabit, wo er schon in der Hitler-Zeit saß. Eine Anklage wegen vielfachen Totschlags, beruhend auf einer fragwürdigen Rechtskonstruktion. Ein scharfer Richter, der dennoch um ein Autogramm bettelte, ein boulevardgeiler Nebenkläger, hämische Reporter. Da ist es schwer, richtige Schlüsse zu ziehen, falsche Vergleiche zu meiden.

Honecker im Gerichtssaal: gebeugt, aber um Haltung bemüht; todkrank, um seine Würde ringend. Keine Frage beantwortend. Nur eine Erklärung gab er ab, eine Art Vermächtnis, in dem er sich in eine Reihe stellte mit Marx, Bebel, Liebknecht - alle verfolgt von der Reaktion. Und nun auch er, dem zu den Toten an der Grenze wenige Worte über eigene Verantwortung in den Text geraten; an den Rand geschoben von weltpolitischen Exkursen. Kein Gedanke darüber, warum so viele raus wollten aus diesem Sozialismus. Honeckers letzte Worte in Deutschland: ein Ende ohne Einsicht.

Wolfgang Hübner beobachtete den Politbüro-Prozess.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen