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PLATTENBAU

Eigentlich macht man so was nicht - ein neues Album rausbringen, obwohl die Veröffentlichung des letzten gerade mal ein gutes halbes Jahr her ist. Aber Domino, die Plattenfirma der Peaking Lights, hat sich natürlich richtig entschieden, genau jetzt, im Sommer 2012, »Lucifer« zu bringen. Dieses eigensinnige Wunderwerk weltentgrenzter psychedelischer Sommermusik von Aaron Coyes und Indra Dunis. Es ist ja auch nicht die Schuld unseres zwischen Wisconsin und Kalifornien pendelnden Ehepaares, dass »936« erst vergangenen Winter in Deutschland erschienen ist; in den USA gibt es das Album ein knappes Jahr länger.

Manchmal dauert es sogar auf dem schnelldrehenden Planeten Pop 2.0 ein bisschen, bis sich herumgesprochen hat, wie »hot« etwas ist. »936«, ein im Verhältnis zum beinahe aufgeräumten Album »Lucifer« noch deutlich im sympathischen Lo-Fi-Modus rumpelndes Pop-Kleinod aus brummelnden Bässen, weiten Echo-Räumen und dem verspulten Acid-Gesang Dunis', war dann auch vor allem ein Lieblingstonträger deutscher Musikredaktions-Charts zum Jahresende, ein Geheimtipp von Spezialisten also. Kein Wunder, es passt hervorragend zum angesagten, halluzinatorische Soundschlieren ziehenden »Hypnagogic Pop« der Gegenwart.

Der bis zur Halskrause tätowierte Ex-Punk Coyes sagt, das Album heißt »Lucifer«, weil das Jahr 2012 »einige astrologische und astronomische Ereignisse« für uns offenbart, in denen »Venus eine Rolle spielt«. Zum Glück muss man derlei kryptische Himmelsfeinheiten nicht verstehen, um die Platte ins Herz schließen zu können. Zudem hört man, weshalb es gut war, dass dieses so lebensfröhlich fiepende wie basstönende Reggae-, Dub- und Indiefans versöhnende Dreampop-Werk von »Outer Space« durch allerlei esoterisches und astrologisches Geheimwissen seiner zwei Schöpfer musste. Auch Sun Ra und Funkadelic träumten kosmisch-komisches Zeug herbei. Der Musik hat es nicht geschadet, im Gegenteil schlug sie daraus ihre inspirierendsten Funken - mit nachhaltiger Wirkung für die Musikgeschichte.

Der vom Punk herrührende unbändige Freiheitswunsch der Do-It-Yourself-Kultur steckt in den Platten der Peaking Lights, obwohl die zwei Mittdreißiger im Grunde moderne Hippies sind. Auf dem Land, fern vom großstädtischen Trara, werden sie erdacht, geschraubt und miteinander verschmolzen: die erfrischend leierigen Analog-Synthie- und Orgelsounds, verkiffte Off-Beat-Rhythmen und unter seltsam glitzernden Nebelschwaden liegende kleine Melodien, über die Indra Dunis mit kindlicher Mädchenstimme Dinge singt, die man nicht versteht. Über ihre Texte sagt sie: »Es geht darum, wie alle Menschen und Wesen miteinander und mit der Natur zusammenhängen.« Man hätte es sich fast denken können.

Peaking Lights: Lucifer (Domino/Goodtogo)

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