Weltmusik aus dem Flüchtlingsheim

Der Liedermacher Heinz Ratz hat mit Asylbewerbern die Band »Refugees« gegründet und tourt durch Deutschland

  • Von Hendrik Lasch, Leipzig
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Mit Musikern, die Flüchtlinge sind, tourt der Liedermacher Heinz Ratz derzeit durch Deutschland - ein Land, das Talente lieber in Heimen schmoren lässt, statt sie zu integrieren.

Die Bühnenkarriere von MC Nuri begann bei einer Demo. Mit seinen Mitbewohnern protestierte der 20-jährige gegen Zustände im Flüchtlingsheim von Gifhorn, in dem er seit zehn Jahren lebt. Jetzt steht er auf einer Bühne in einem Leipziger Klostergarten und versetzt das Publikum mit seinem Rap in Euphorie. Die peitschende Musik geht in die Beine und lässt selbst betagte Zuhörer rhythmisch wippen. Ausgelassenheit macht sich breit - dabei ist der Text, den MC Nuri mit atemberaubendem Stakkato ins Mikrophon feuert, alles andere als heiter. »Weißt du, wie es ist, ein Asylant zu sein?«, fragt er: »Ich sehe mein Zuhause, und ich freu mich nicht auf morgen.«

MC Nuri ist Flüchtling. Als er acht war, floh sein Vater aus dem vom Krieg in Tschetschenien bedrohten Dagestan nach Deutschland, zwei Jahre später holte er die Familie nach. Seitdem sitzen sie im Asylbewerberheim fest, verdammt zum Nichtstun. Nuradil, wie der Musiker heißt, schloss vor zw...


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