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Quebec vor Machtwechsel?

Pauline Marois will kanadische Provinz regieren

Monatelang sorgten Quebecs Studenten mit heftigen Protesten gegen die geplante Erhöhung der Studiengebühren für Schlagzeilen, nach der heutigen Wahl könnte es Pauline Marois sein - als erste Regierungschefin in der Geschichte der französischsprachigen kanadischen Provinz.

Jean Charest hat abgewirtschaftet. Neun Jahre lang stand der 54-Jährige Liberale an der Spitze von Quebec, der flächenmäßig größten Provinz Kanadas zwischen Hudson Bay und Grenze zu den USA mit etwas mehr als acht Millionen Einwohnern. Sie ist auch der Landesteil mit dem größten französischsprachigen Bevölkerungsanteil. 2008 hatten die Liberalen mit 66 Abgeordneten hier noch die absolute Mehrheit errungen. Dass Charest unter den sechs Millionen Stimmberechtigten nun noch einmal eine Mehrheit findet, scheint unwahrscheinlich. Zu massiv sind die Korruptionsvorwürfe gegen ihn. Und als die wütenden Studentenproteste nicht enden wollten, peitschte seine Regierung im Mai ein zeitlich befristetes Gesetz durchs Parlament, das die Demonstrationsfreiheit stark einschränkte. Die Folge: noch mehr Proteste und Festnahmen.

So könnte nach den jüngsten Umfragen erstmals in der Geschichte eine Frau die Führung der Provinz übernehmen: Pauline Marois von der linksgerichteten Parti Québécois (PQ). Allerdings ist ihr Vorsprung nicht so groß, dass schon alle Messen gesungen wären. Zuletzt lag sie nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Crop bei 33 Prozent, Amtsinhaber Charest und die Coalition Avenir Québec (CAQ), die das tradierte Zwei-Parteiensystem in der ostkanadischen Provinz aufbrechen will, fast gleichauf nur wenige Prozentpunkte dahinter. Möglich wäre also auch eine Minderheitsregierung - politische Koalitionen sind in Kanada keine Variante.

Die 63-jährige Marois - einst Absolventin der Wirtschaftshochschule HEC und schon mehrmals Ministerin in Quebec - plädiert für die Unabhängigkeit der französischsprachigen Region. Sie hat gerade unter den jungen Wählern im Osten Kanadas viele Anhänger; nicht zuletzt, weil sie sich auf die Seite der protestierenden Studenten gestellt hat. Den radikalen Separatisten ihrer Partei musste sie zugestehen, ein neues Unabhängigkeitsreferendum zu initiieren, sollten 15 Prozent der Wahlberechtigten eine solche Forderung unterschreiben. Die beiden bisherigen Volksabstimmungen 1980 und 1995 scheiterten allerdings knapp.

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