Werbung

Dunkle Geschäfte und Interessenkonflikte

Missstände in Polens Gesundheitswesen

  • Von Julian Bartosz, Wroclaw
  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Von Zeit zu Zeit reagiert die polnische Öffentlichkeit auf Missstände im Gesundheitswesen ganz besonders empfindlich und wütend. Es geht dabei um Erscheinungen ganz verschiedener Art.

Durch Zeitungsberichte wurden die Polen bereits vor Jahren von der mörderischen Praxis einiger Sanitäter im Medizinischen Rettungsdienst von Lodz informiert. Die »Gazeta Wyborcza« nannte sie »Hautjäger«. In verbrecherischer Kollaboration mit Inhabern von Bestattungsinstituten verhalfen sie älteren Kranken zum Tod. Statt die Patienten ins Krankenhaus zu befördern, verabreichten die Sanitäter ihnen noch zu Hause oder aber erst im Rettungswagen eine tödliche Injektion. Nach Feststellung des Todes wurde der Leichnam - wie für eine bestimmte Summe vereinbart - in die betreffende Bestattungsfirma transportiert. Die Sanitäter und der Eigentümer des »Nekrobusiness« wurden nach langwierigen Prozessen 2008 zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt: lebenslänglich, 25 Jahre, im mildesten Fall sechs Jahre.

Bei dem jüngst bekannt gewordenen Fall liegt der Sachverhalt etwas anders. Er gleicht den Skandalen um »Unzulänglichkeiten« bei Organverpflanzungen in Göttingen und Regensburg. Konkret handelt es sich um die Bevorzugung von Privatpatienten bei der Verpflanzung von Augenhornhäuten aus staatlichen Organbanken.

Polens Gesundheitsminister Bartosz Arlukowicz suspendierte dieser Tage den bekannten Augenarzt Prof. Jerzy S. von der Funktion des »Landeskonsulenten« für Augenkrankheiten, die S. seit 14 Jahren innehatte. Das Zentrale Antikorruptionsbüro (CBA) erstattete bei der Staatsanwaltschaft Meldung wegen des Verdachts auf Rechtsbruch. Dem Professor wird vorgeworfen, bei der Auswahl von Patienten für die Verpflanzung von Hornhäuten in seiner Privatklinik gewisse Regeln missachtet zu haben. Operationen wurden seit Jahren »außerhalb der Warteliste« und ohne Genehmigung der Transplant-Behörde vorgenommen. Als Chef einer staatlichen Klinik achtete Prof. S. darauf, dass alle Regeln strikt eingehalten wurden, in seiner privaten Klinik habe er dies - wie er zugab - versäumt.

Es sei ein offenes Geheimnis, dass nicht nur in dieser Klinik solcherart »Transplantationspolitik« betrieben werde und dass da oft ein Interessenkonflikt bestehe, sagte Minister Arlukowicz der »Gazeta Wyborcza«. In der Regel sind die Chefs öffentlicher Kliniken zugleich Eigentümer privater Einrichtungen, in die sie Patienten zur Behandlung nach teuren Verfahren verlegen.

Augenhäute sind übrigens seit Jahren ein heißes Thema. Mateusz Cieslak schilderte in der jüngsten Nummer der Wochenzeitschrift »NIE«, wie kriminell es bei der »Organgewinnung« nach Verkehrsunfällen zugeht. Da würden ohne Absprache mit den Familien die Leichen von Opfern - nach Feststellung des Todes durch einen »kooperierenden« Arzt - direkt in ein bestimmtes Bestattungsinstitut und anschließend weiter an eine private Organbank geliefert. »Gibt es etwa einen Schwarzmarkt für menschliche Organe?«, fragte der Autor. Für den illegalen Handel mit Nieren, der trotz strengen Verbots und polizeilicher Kontrolle der in Zeitungsanzeigen hinterlassenen Spuren im Untergrund weiter existiert, ist das eine rein rhetorische Frage.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen