Wo wohnt das Glück?

Einer Studie zufolge vor allem im Nordwesten und Südosten Deutschlands

Geld allein macht nicht glücklich - zufrieden ist vielmehr, wer gesund ist, in einer Partnerschaft lebt und Freunde hat, sagt der Glücksatlas 2012. Außerdem hat sich die »Glückslücke« zwischen Ost- und Westdeutschen fast geschlossen.

Trotz der Euro-Krise bleibt die Lebenszufriedenheit der Deutschen auf einem hohen Niveau. Auf einer Skala zwischen 0 und 10 sei die Lebenszufriedenheit mit 7,0 gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben, heißt es in dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Glücksatlas Deutschland 2012. Der Abstand zwischen ost- und westdeutschen Regionen habe sich weiter verringert und ist in diesem Jahr mit 0,2 Punkten so klein wie noch nie seit der politischen Wende, sagte der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen, unter dessen Leitung die Studie im Auftrag der Deutschen Post erstellt wurde.

In der Zufriedenheits-Rangliste von 13 Großstädten zeigen sich die Einwohner Hamburgs am zufriedensten mit ihrer Stadt - Düsseldorf und Dresden belegen die Plätze zwei und drei. Dabei zeigt sich, dass die Attraktivität einer Stadt nicht nur von »harten« Standortvorteilen wie Wirtschaftsstandort und Verkehrsinfrastruktur, sondern auch von den kulturellen und sportlichen Angeboten abhängt.

Auch im Ranking der Regionen führt Hamburg mit 7,23 Punkten auf dem Glücksindex, gefolgt von der Nordseeregion, Bayern und Franken. Auf den hintersten Plätzen stehen weiter die ostdeutschen Länder. Die rote Laterne von Platz 19 trägt Sachsen-Anhalt mit 6,56 Punkten, abgerutscht von Platz 16 im vergangenen Jahr.

Allerdings wird der Abstand zwischen den Regionen immer geringer. Geld allein mache nicht glücklich, aber ohne Geld sei der Mensch unglücklich, sagte Raffelhüschen. Als wichtigste Glücksbringer bezeichnete er Gesundheit, Partnerschaft und Freunde. »Glückshemmnisse« sei neben Scheidung und Tod des Partners vor allem die Arbeitslosigkeit. Zudem hänge die Lebenszufriedenheit eng mit dem Vertrauen zu Mitmenschen und gesellschaftlichen Institutionen wie beispielsweise Rechtstaat oder Parlament zusammen.

Zwar lägen die Zufriedenheitswerte mit der Demokratie unterhalb jener für die allgemeine Lebenszufriedenheit, doch die Tendenz ist positiv: die Politikverdrossenheit hat seit 2005 leicht abgenommen. »Vertrauen ist für die Zufriedenheit in der Gesellschaft sehr wichtig«, sagte Raffelhüschen, »verglichen mit skandinavischen Ländern kann Deutschland hier noch einiges zulegen.«

Dabei hat sich Deutschland im europäischen Glücksgefüge in den vergangenen Jahren bereits positiv entwickelt, von Platz 15 im Jahr 2006 auf Platz 9 im vergangenen Jahr. Gründe für das stabile deutsche Glücksniveau lägen einerseits im anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands sowie andererseits im stabilisierenden Einfluss funktionierender gesellschaftlicher Normen und Institutionen.

Der »Deutsche Post Glücksatlas 2012« basiert auf den Daten des Sozio-ökonomischen Panels, das seit Jahren regelmäßig rund 12 000 Haushalte befragt, sowie auf einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom Frühjahr 2012 und einer Befragung von TNS Emnid in 13 deutschen Großstädten unter 3900 jeweils repräsentativ ausgesuchten Bewohnern. epd

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