Notizen aus Venedig

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Von meiner erhöhten Terrasse aus sehe ich jemanden mit Spraydose am Kai. Sprayer in Venedig? Tatsächlich hockt da ein Mensch und sprüht Farbe. Das finde ich so in aller Öffentlichkeit ziemlich dreist. Er lässt sich Zeit, neben ihm steht eine junge Frau und sieht zu. Dann blickt sie auf einen Zettel und zeigt auf eine andere Stelle direkt daneben, wo nun weitere Verzierungen aufgesprüht werden. Bald ist der ganze Kai von farbigen Strichen und Punkten übersät. Passanten treten hinzu und debattieren die Kunstwerke. Wenn ich nicht wüsste, dass sich die Venezianer so gar nicht für die Biennale und ihre Kunst interessieren (außer unter finanziellem Aspekt), könnte man an ein Freilufthappening denken. Aber es ist das Gegenteil: eine amtliche Maßnahme.

Redentore!, lautet der Ruf, der alle Ureinwohner Venedigs am Lebensnerv trifft. Und jetzt wird markiert, wer wo seinen Tisch aufstellen darf - die Plätze sind lange im voraus reserviert. Ich...


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