Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Besetzer schon zwölf Wochen im Seniorenclub

Beschluss über Zukunft der Einrichtung im Pankower Finanzausschuss am Donnerstag

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 2 Min.

Ende Juni, auf den Tag genau vor 83 Tagen, besetzte eine Gruppe widerständiger Senioren kurz entschlossen ihre Begegnungs- und Freizeitstätte in der Stillen Straße 10 im Pankower Ortsteil Niederschönhausen. Die rüstigen Ruheständler sahen in der Besetzung der Villa die einzige Möglichkeit, gegen die vom Bezirk angeordnete Schließung der ehemals landeseigenen Immobilie zu protestieren, für den Erhalt der Einrichtung zu kämpfen und somit die seit vielen Jahren gewachsene Gemeinschaft zusammenzuhalten.

Den Alt-Besetzern ging es aber von Anfang an um mehr. Die Senioren wollten mit ihrer Aktion gegen die zunehmende Gefahr der Altersarmut protestieren und auf eine Berliner Kommunalpolitik aufmerksam machen, die sich ihrer Meinung nach nicht ausreichend um die Bedürfnisse älterer Menschen kümmert. Die ganze Zeit der zwölfwöchigen Besetzung über hielten die Ruheständler die Angebote der Einrichtung ehrenamtlich aufrecht. Englisch-, Skat-, Sport- und Zeichenkurse fanden zur gewohnten Zeit am gewohnten Ort statt. Mit ihrem beharrlichen Protest zwangen die Senioren die rot-grüne Bezirksregierung schließlich zur Überarbeitung bereits gefasster politischer Beschlüsse. So leitete der Bezirk ein Interessenbekundungsverfahren ein, um eine Übernahme der Stillen Straße 10 durch freie Träger zu prüfen. Volkssolidarität und Arbeiterwohlfahrt bewarben sich.

Am Donnerstag wird nun der Finanzausschuss des Bezirksparlaments das Ergebnis bekannt geben. Auch wenn die Chancen auf ein positives Resultat ob schlechter Konditionen und mangelnder Verhandlungsbereitschaft des Bezirks nicht gerade gut aussehen, geben sich die Besetzer dennoch optimistisch. »Natürlich wäre es sehr schade, wenn sich kein freier Träger findet. Immerhin würde dies das endgültige Aus für unser Freizeitheim bedeuten. Wir haben mit unserem Protest aber schon viel bewirkt und geben auch jetzt die Hoffnung nicht auf«, erklärte der Besetzer Peter Klotsche. Die Pankower Ruheständler hoffen, dass ihre Aktion sowohl eine Debatte über Generationengerechtigkeit anregt, als auch ein Vorbild für andere von Verdrängung bedrohter Einrichtungen sein wird.

Um nochmals mit Nachdruck für ihr Anliegen zu protestieren, rufen die Senioren alle Unterstützer und Sympathisanten zur Teilnahme an der morgigen Sitzung des Finanzausschusses auf. Die Sitzung findet um 17.15 Uhr im großen Veranstaltungssaal der Musikschule in der Bitzestraße 27 statt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln