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Energiewende von unten

Mehrere Dörfer in Mecklenburg-Vorpommern streben eine eigene Energieversorgung an

  • Von Frank Pfaff, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

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Für Bauern ist die Energiegewinnung aus Biomasse und Gülle längst mehr als ein einträgliches Nebengeschäft. Fast 7500 Biogasanlagen produzieren in Deutschland Strom, die wenigsten aber nutzen auch die anfallende Wärme. Das soll sich ändern - auch in Mecklenburg-Vorpommern.

Grambow/Gülzow. Seit 18 Jahren wohnt Paul Wilhelm Todt in seinem schmucken Bungalow am Ortseingang des kleinen Dorfes Grambow westlich von Schwerin. Das Haus hatte er damals neu gebaut. Doch nun kündigen sich erste Erhaltungsarbeiten an, am Heizsystem etwa, aber einen neuen Heizkessel will sich die Familie nicht mehr zulegen.

»Wir gehen ans Fernwärmenetz«, sagt Todt und weiß sich einig mit 70 Prozent der 550 Dorfbewohner. Bei vielen Familien stünden auch Ersatzinvestitionen an, die sie sich lieber sparen wollten. »Und auch die Entwicklung der Öl- und Gaspreise hat die Entscheidung wohl beeinflusst«, meint Todt. Mit zehn Cent pro Kilowattstunde für die Fernwärme aus der Biogasanlage des Gutshofes am Ortsrand sei ein guter Preis zugesichert worden. Grambow will Bio-Energiedorf werden. Für die Wärme in den Häusern soll neben der schon existierenden Biogasanlage ein neues Heizwerk sorgen, das Gutshof-Besitzer Hans Martin Lösch noch errichten und mit Holz aus dem eigenen Wald betreiben will.

»Im Frühjahr 2013 wollen wir mit dem Verlegen der Heizungsrohre im Dorf beginnen. Im nächsten Winter dann sollen die Häuser am Netz sein«, sagt Bürgermeister Herbert Piotrowski. Noch aber stehe die Genehmigung des aktuellen Gemeindehaushalts, in dem die Investitionssumme von 1,2 Millionen Euro verankert sei, durch die Kommunalaufsicht aus. »Umwelt- und Energieministerium bestärken uns in unserem Vorhaben, das Innenministerium aber ist skeptisch und fürchtet, dass wir uns übernehmen«, erzählt Piotrowski. Dabei soll doch gerade mit der Energieverteilung und -gewinnung Geld ins klamme Gemeindesäckel kommen. Die Gemeinde sorge für den Anschluss der Häuser an das Wärmenetz und refinanziere sich durch Gebühren. Überschüsse kämen dem Dorf zugute. »Das ist alles durchgerechnet«, versichert der parteilose Bürgermeister. Zum Energiekonzept der Gemeinde gehörten aber auch die Errichtung von zwei Windrädern und der Bau einer Solaranlage auf der ehemaligen Müllhalde des Dorfes. Doch wegen sinkender Einspeisevergütungen für Ökostrom seien diese Projekte noch nicht sicher.

Während etwa in Ivenack in der Mecklenburgischen Seenplatte oder in Neuhof am Schaalsee Wärme aus Biogaslagen schon Häuser beheizt, treiben sieben weitere Gemeinden im Nordosten die Vorbereitungen dafür intensiv voran. Nach Angaben der Akademie für Nachhaltige Entwicklung in Güstrow haben 85 Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern beschlossen, als Energiedörfer im Verein mit ortsansässigen Agrarbetrieben die Versorgung mit Strom und Wärme selbst zu mindestens 75 Prozent sicherzustellen. »Es gibt noch viele Gemeinden, die sehen die Energiewende als eine Aufgabe, für die der Bund zuständig ist. Andere haben die dezentrale Energieerzeugung als Chance für sich und die ländlichen Regionen insgesamt begriffen. Und das kann durchaus einträglich sein«, sagt Akademie-Mitarbeiter Bertold Meyer.

Meyer gehört zu den Mitorganisatoren der länderübergreifenden Konferenz »Energiewende durch Teilhabe«, zu der sich am Donnerstag in Ludwigslust Teilnehmer aus ganz Norddeutschland trafen. Im ländlichen Raum böten Projekte wie das Bio-Energiedorf wirtschaftliche Chancen. Die Dorfbewohner könnten durch preiswerte Wärmeversorgung profitieren, meint Meyer, mahnt aber mehr Unterstützung insbesondere durch die Landespolitik an. Nach Einschätzung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow bei Güstrow wurde in Süddeutschland der Trend zu regionalen Stoffkreisläufen und lokalen Energiekonzepten schneller erkannt und genutzt als im Nordosten.

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