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Congress Centrum ohne Kongresse

Rot-Schwarz einigte sich auf ICC-Sanierung für 200 Millionen Euro

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 2 Min.

Mit einem »Kompromiss« über die Zukunft des Internationalen Congress Centrums (ICC) gingen am Dienstag die Fraktionsvorsitzenden von Rot-Schwarz in die Sitzungen ihrer Fraktionen. Sie wurden mit »wichtigen Entscheidungen« am Abend vor der Presse erwartet. Raed Saleh (SPD) und Florian Graf (CDU) hatten laut Medienberichten vereinbart, dass das 33 Jahre alte, dringend überholungsbedürftige Gebäude für 200 Millionen Euro saniert werden soll. Eine Nutzung für Kongresse sei nicht vorgesehen. Mit Investoren und Projektentwicklern solle über künftige Möglichkeiten beraten werden.

Ein solches Gebäude könne nicht einfach sich selbst überlassen werden, meinte Katrin Lompscher (LINKE, Sprecherin für Stadtentwicklung). Es gehe um Asbestsanierung und die Wiederherstellung der baulichen Funktionsfähigkeit. Sie lobte »Realitätssinn«. Das Center, das sie einen »Meilenstein der Stadtentwicklung« nannte, müsse aber auch nicht für die doppelte Summe hergerichtet werden, wenn selbst der Betreiber Messe Berlin keine Kongresse abhalten wolle. Die »Hauptstadt der Kreativität« werde auch hier eine Nutzung finden: »Die meisten Berliner Bauten sind heute etwas anderes, als sie früher waren.«

Einen »Schildbürgerstreich« und »faulen Kompromiss« sah hingegen Jochen Esser (Grüne, finanzpolitischer Sprecher). Eine Sanierung und zugleich die Aufgabe von Großkongressen »verstehe, wer will«. Kongresse seien doch »der einzige Sinn und Zweck«, die Nutzung aber offen. Einen privaten Investor habe er in acht Jahren quälender Diskussion nicht gesehen und sehe ihn auch jetzt nicht. Das Problem sei vertagt worden: »Die nächste Abrissdebatte wartet schon.« Ein Abriss würde aber nicht billiger als beim Palast, die Asbestproblematik sei dieselbe.

Es werde »keins der Probleme gelöst«, kritisierte Oliver Höfinghoff (Piraten, baupolitischer Sprecher), der Kompromiss sei »komplett konzeptionsfrei«. Der Pirat zeigte sich aber froh, dass jetzt etwas offener über das »Schlachtschiff« nachgedacht werde. Ein Abriss sei »wahnsinnig kompliziert«, räumte er ein, sah aber zugleich voraus: »Die Sanierung wird mehr als 200 Millionen Euro kosten - wir kennen Berlin.«

Als Ersatzstandort für Kongresse in der Hauptstadt wird anstelle der abgerissenen Deutschland- die neue Messehalle CityCube gebaut. Sie soll 76 Millionen Euro kosten, einschließlich des Abrisses und der Entsorgung. Der Senat hatte bereits unter Rot-Rot rund 180 Millionen Euro mittelfristig für eine ICC-Sanierung eingeplant. Eine Komplettsanierung wurde allerdings bereits auf mindestens rund 330 Millionen Euro geschätzt. Die Betriebsgenehmigung des TÜV gilt nur noch bis Ende 2013. Auf der Mängelliste der Prüfer stehen auch die Brandschutzeinrichtungen.

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