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Rettung per Bankbruch

Kletter-Ida von Hans Fabian Wullenweber

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 2 Min.
Die CCT-Bank gilt als die sicherste der Welt, schon weil ihr Safe in unerreichbarer Höhe innerhalb eines turmartigen Schachtes schwebt, zu dem nur die Kenntnis einer ganzen Reihe ausgeklügelter Codes einschließlich der Netzhautanalyse eines Zugangsberechtigten Einlass gewährt. Wenn eine Bank wie diese innerhalb der ersten Minuten einer Filmhandlung eingeführt wird, noch dazu durch einen Fernsehmoderator, der seinen Zuschauern triumphierend berichtet, hier lagere ihr Geld in Zukunft so sicher wie in Abrahams Schoß, wird es niemanden überraschen, wenn die zweite Hälfte des Films eine Gruppe eingeschworener Safeknacker bei dem Versuch beobachten wird, den Fernsehfritzen Lügen zu strafen. »Kletter-Ida« ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Von Kopf bis Fuß in nachtdunkles Schwarz gekleidet, eine professionelle Bergsteigerausrüstung am Gürtel und den garantiert todsicheren Plan im Kopf, verschaffen sich Ida, Sebastian und Jonas am Eröffnungsabend der Bank Zutritt zu dem Gebäude. Einer hackt sich in den Computer, um Wachkameras auszutricksen und die Sicherheitssysteme lahm zu legen, einer lenkt die gefährlichen Wachhunde ab, die als zusätzliche Lebendsicherung den Tunnel mit dem Safe bewachen, und Ida klettert. Alles nicht weiter ungewöhnlich, wäre Ida nicht eine zwölfjährige Hobby-Bergsteigerin, die ihren Eltern von ihrer Leidenschaft für unbezwingbare Höhen schon deshalb nichts erzählen darf, weil ihr Vater einst im Himalaya von der Wand stürzte und nur knapp mit dem Leben davon kam. Heimlich nutzt Ida jeden Wasserturm, um sich im Klettern zu üben. Als aber der Vater an den Spätfolgen seines Sturzes erkrankt und nur eine Operation in Amerika ihn retten könnte, deren Kosten die Familie nicht aufbringen kann, als auch die CCT-Bank jeden Kredit verweigert, macht Ida sich auf, per Bankraub sein Leben zu retten. Und weil Sebastian und Jonas ein bisschen in ihre Klassenkameradin verliebt sind, sind sie dabei, jeder in der festen Überzeugung, Ida habe sich heimlich längst für ihn entschieden. In Dänemark war »Kletter-Ida« ein Hit, und auch auf der Berlinale 2002 begeisterte der Film Zuschauer und Kinderjury, die ihm eine lobende Erwähnung aussprach. Regisseur Hans Fabian Wullenweber hatte sich schon vorher rückversichert: Um kein Kind mit seiner Geschichte zu überfordern, ließ er sich von einer Einrichtung beraten, die Kinder bei der Bewältigung von lebensbedrohenden Krankheiten in der Familie unterstützt.

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