Werbung

Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

Um die Inhalte, die in den Jahrgängen bis 2001 als gedrucktes Papier vorliegen, in eine digitalisierte Fassung zu übertragen, wurde eine automatische Text- und Layouterkennung eingesetzt. Je älter das Original, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der automatische Erkennvorgang bei einzelnen Wörtern oder Absätzen auf Probleme stößt.

Es kann also vereinzelt vorkommen, dass Texte fehlerhaft sind.

Katrins Kummer: Ich möchte meine Ruhe

  • Von WOLFGANG RICHTER
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Glocken sind geläutet, die Messen gelesen. Smoking und Abendrobe haben wieder Urlaub im Kleiderschrank. Die Sportler des Jahres 1990 sind proklamiert. Ein Vorgang mit Tradition. 1947 galt die erste deutsche Ehrung dem Tennisspieler Gottfried von Gramm und der Leichtathletin Marga Petersen, 1953 wurden “Täve“ Schur und Schwimmerin Karin Beyer die ersten DDR-Sportler des Jahres. Übrigens ist Schurs Rekord, die Auszeichnung neunmal in Folge zu erobern, bis heute ungebrochen.

Nun also die gesamtdeutsche Wahl. Den feinen Unterschied, nein, den gab's nicht. Aber den gro-ßen in mehreren Varianten. Hierzulande hatte die “Junge Welt“ bekanntlich ein millionenfaches Echo bei den Lesern, die ihre populärsten Sportler und Mannschaften bestimmten. Auf der anderen Seite waren es, wie auch diesmal, ausschließlich Journalisten, die ihre Wahl trafen. Fast 1000 Stimmen aus über 100 Redaktionen brachten 121 Sportlernamen sowie 90 Mannschaften in die Wertung. Fachkompetenz beurteilt Leistung, nicht Popularität. Doch selbst meßbare Resultate lassen sich aus verschiedenen Positionen beurteilen, die im konkreten Fall merkwürdig anmuten müssen. Wie sonst ist zu erklären, daß beispielsweise die zweifache Europameisterin in der Leichtathletik, Grit Breuer, oder Eisschnellauf-As Gunda Kleemann keine Chance für einen Platz unter den besten zehn hatten, daß bei den Männern mit Ulf Timmermann der erste ostdeutsche Amateur gar nur auf Platz 14 rangiert? Ganz offensichtlich gehört zum gesamtdeutschen Blickwinkel ein exakteres Kennen der Materie der bisherigen “anderen Seite“ - hüben wie drüben. Ein Problem, nicht nur des Sports.

Der Rahmen sprengte alles, was unsereins von den “Junge-Welt“-Auszeichnungen her kannte. Das festliche Kurhaus in Baden-Baden empfing die Creme des Sports und des öffentlichen Lebens zu einem Galaabend. Da waren Fritz Walter und “Täve“ Schur, Liesel Westermann und Kristin Otto, Roland Matthes und Eberhard Gienger aus früheren Jahren, Außenminister Genscher und Ministerpräsident Lothar Spät sowie die zahlreichen

Jetzt-Sportler und die Fachjournalisten als vielhundertköpfige Jury. Der rührige und verdienstvolle Veranstalter ISK (Internationale Sport-Korrespondenz) hatte das Ergebnis wie eine Weihnachtsüberraschung bis zum Schluß gewahrt, so daß Katrin Krabbe später gestand. „Erst als Steffi Graf als Zweite verkündet wurde wußte ich, daß ich vor ihr rangieren werde.“ So war der Abend nicht nur festlich und unterhaltsam, sondern zugleich auch spannend - eine selten reizvolle Kombination. Allerdings entsprach die Moderation von Christa Gierke (ZDF) in keiner Weise der Qualität der zu ehrenden Sportler und Sportlerinnen, von denen Boris Becker und Steffi Graf fehlten.

Die Neubrandenburgerin Katrin Krabbe, dreifache Sprint-Europameisterin, beeindruckte auch das festliche Auditorium mit Selbstbewußtsein und Offenheit. Wenn eine gute Fee Ihnen eine Wunsch erfüllen würde, welcher wäre das?, wurde sie auf der Bühne gefragt. Kein zierendes Zögern, als sie antwortete: „Ich möchte ganz einfach in Ruhe gelassen werden und mein Privatleben für mich haben. Wie manche Medien mit mir umgingen, das war mein schlimmstes Erlebnis.“ Ihre Antwort fand viel verständnisvollen Beifall und sollte manchen im Saal nachdenklich machen, die Achtung, die er für sich erwartet, zuerst auch anderen zuzugestehen. Katrin Krabbe war auf Rang 1 nicht nur eine Überraschung, sondern in ihrem Auftreten und mit ihrem Appell zugleich eine Bereicherung dieser gesamtdeutschen Sportlerehrung.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken