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  • Politik
  • Ferienheime des FDGB: Geschlossen - und was nun? Privatisierung läuft langsam an

Nicht nur der Frühling hält Einzug ins Schloß am Meer

Obwohl viele der Neu-Bundesbürger ihren Urlaub inzwischen in anderer Herren Länder verlegten das Interesse am Schicksal der ehemaligen FDGB-Heime flammt immer wieder auf. Alles leer, alles tot? Bleiben die Häuser auch in dieser Saison geschlossen?

Heftiges Handeln von Treuhand und Unabhängiger Kommission brachte erste Ergebnisse. Einige Heime wechselten bis Mitte März die Besitzer. Darunter „Schloß am Meer“ und „Sturmklause“ in Kühlungsborn, „Herbert Roth“ im thüringischen Hirschbach, der „Thüringer Hof“ in Masserberg, das Erholungsheim Ferch am Schwielowsee.

Ungereimtheiten gibt es nach wie vor, wo Rückübertragung beantragt wurde. Und noch tobt auf oberster Bundesebene der Streit, ob nun Treuhand oder die Ämter für offene Vermögensfragen bei den Landratsämtern endgültig die Restitutionsbehörden sein werden. Die Unabhängige Kommission

prüft den rechtsstaatlichen Erwerb der Häuser durch den FDGB und deren vorherige Eigentümer. Die Unterlagen indes sind sehr mangelhaft und nach anderen Gesichtspunkten geführt, als es bundes-

stanz und Inneneinrichtung hat allerdings auch völlig verschiedene Wiedereröffnungstermine zur Folge.

Die Stadtverwaltung Kühlungsborn zum Beispiel, mit insgesamt vier privatisierten FDGB-Heimen, äußerte sich zuversichtlich zur Wiederbelebung des traditionellen Ostseebades. Während die „Sturmklause“ völlig umgebaut wird und deshalb vorläufig geschlossen bleibt, öffnet das ehemalige „Schloß am Meer“ zum 15. April wieder, wie Miteigentümer Herr Kerschlok bekanntgab. Er ist Vorsitzender des Interessenverbandes der Pächter ehemaliger Heime. „Seit Anfang März '92 haben Herr Unger und ich in Personengesellschaft das Objekt endlich überschrieben bekommen“, deutet Kerschlok das über Jahre dauernde“ Gezerre um die Immobilie an. Es war immerhin Dezember 1989, als die Herren ihr Interesse anmeldeten. „Doch alle Instanzen bis hin zur Treuhand waren anfangs zu

sehr von bremsenden SED-Leuten durchsetzt.“ Innerhalb eines Jahres sei dann alles geklärt worden.

Pachtverträge, so Kerschlok, seien die vernünftigste Vorstufe zum Kaufvertrag. Schließlich müsse jeder erst beweisen, daß er diese Branche beherrscht. Kerschlok und Unger haben zusammengenommen über 30 Jahre Branchenerfahrung aus DDR-Zeiten. Hinter ihnen liegt ein faires Verfahren bei der Treuhand, die das Betriebskonzept für gut befand. Verkaufen darf die Personengesellschaft Kreschlok-Unger erst in zehn Jahren, und Arbeitsplätze - so die Auflage - muß sie fünf schaffen. Vier sind's derzeit, sechs sollen es werden - wenn nach der Saison weiter modernisiert wird.

Auch wenn zur Zeit noch über die Hälfte ehemaliger FDGB- und Betriebsheime an der Küste geschlossen haben, so geht es doch allmählich wieder aufwärts mit den Kur- und Badeorten.

THILO REIS

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