Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

Um die Inhalte, die in den Jahrgängen bis 2001 als gedrucktes Papier vorliegen, in eine digitalisierte Fassung zu übertragen, wurde eine automatische Text- und Layouterkennung eingesetzt. Je älter das Original, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der automatische Erkennvorgang bei einzelnen Wörtern oder Absätzen auf Probleme stößt.

Es kann also vereinzelt vorkommen, dass Texte fehlerhaft sind.

  • Politik
  • Jungdemokraten und „Junge Linke“ vereint

Opposition zimmern

+ + pressenutteüung: erste gesamtdeutsche bundesdelegiertenkonferenz der jungdemokraten/junge linke + + bundesweiter parteiunabhängigei jugendveiband gegründet + + jungdemokraten und marxistische jugendvereinigung (mjv) „junge linke“ vereinigten sich + +

Sieh an, sagt sich der stille Leser dieser Meldung, da hat sich also mal wieder ein neuer Jugendverband gegründet. Bundesweit und parteiunabhängig ist er dazu. Doch, Mooooment, die Marxisten ausgerechnet mit den Judos, waren die nicht mal bei der F.D.P.?!

Waren sie. Sind sie aber schon seit Anfang der 80er nicht mehr. Und die Marxisten, die heißen nur noch so. Im April 1990 wurde der marxistische Anspruch aus der Satzung verbannt, allein der Name blieb. Und der ist Schall und Rauch.

„Schon bei der Gründung des MJV legten wir fest, keine Einzelaktionen zu machen“, erklärt Alexander Weiß, einst im MJV-Vorstand, jetzt einer von zwei Bundesvorsitzenden des neuen Verbands, den Zusammenschluß. „Im Laufe des letzten Jahres wurden wir schwächer“, ergänzt er und sieht im Fehlen inhaltlicher und organisatorischer Konzepte die Ursachen für den Mitgliederschwund. Daraufhin habe man sich mit West-Linken zusammengetan, Kontakte mit den „Falken“, den Jusos, dem SDAJ und mit eben jenen Judos gepflegt. „Es stellte sich heraus, daß wir mit den Jungdemokraten am besten konnten“, rekonstruiert der „50/50“-Vorsitzende den Annäherungsprozeß. Im Sommer '90 dachten Jungdemokraten und MJV zum ersten Mal an Zusammenschluß.

Im Dezember des vergangenen Jahres kamen die beiden dann endlich zur Sache. Auf einem Kongreß in Bremsdorf wurde die Vereinigung beschlossen. Von der intensiven Zusammenarbeit mit Judo-Landesverbänden bis zum endgültigen Verbund am vergangenen Wochenende war es dann nur noch ein kurzer Übergang.

Eine wesentliche Ursache für die Erwägung und den letztlichen

Vollzug einer Einigung zweier Jugendorganisationen dürfte die Tatsache sein, daß der MJV keine Fördermittel mehr bekommt, die Jungdemokraten hingegen -weiter von öffentlicher Hand finanziert werden. „Was für mich gut ist, weiß ich selbst am besten“, sagten sich da wohl beide - der MJV sichert seine Existenz und der Judo-Verband weitet seinen Aktionsradius auf die neuen Buhdesländer aus. Zu jeweils nahezu 100 Prozent besteht der MJV aus Ost-, die Judos aus West-Jugendlichen. Beide haben also Interesse an bundesweiter Betätigung.

Die „Jungdemokraten/Junge Linke“, wie sich der frisch geeinte Verband nun nennt, tritt mit radikaldemokratischem Grundsatz an. Was das ist? „Demokratisch“ kennen wir, „radikal“ bedeutet „auf allen Ebenen“. Gleichberechtigung für alle: sämtliche Gremien sind je zur Hälfte mit ehemaligen MJVund ehemaligen Judo-Leuten besetzt. Auf dem politischen Zahlenstrahl sieht man sich links von der SPD und den Grünen. Letztere waren bislang parlamentarischer Ansprechpartner der Jungdemokraten. Der MJV meidet Parteien, ist Alexanders Worten zu entnehmen. „Wir knüpfen da ein wenig an die 68er an: Die Parteiendemokratie soll aufgehoben werden; vorbei an den Parteien wollen wir eine Opposition zusammenzimmern“.

Auf der ersten Bundesdelegierlenkonferenz (identisch mit dem Vereinigungskongreß) wurde denn auch eine erste gemeinsame thematische Presseerklärung abgegeben. Jungdemokraten und Junge Linke sind sich nicht nur organisatorisch einig: Die Legalisierung von weichen Drogen, so die 140 Teilnehmer, ist längst überfällig. Das Verbot der Genuß- und Suchtmittel habe nur zur Kriminalisierung der Konsumenten und nicht zur Verringerung der Opferzahlen beigetragen. An wen diese Erklärung gerichtet ist, steht nicht in dem Papier. Kleiner Tip: Es gibt mindestens eine Partei im Bundestag, die die Forderung unterstützen würde. Aber mit Parteien will man ja nichts zu tun haben.

THOMAS BLESKIN

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln