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Ohne Engagement der Gutachter gäb's nichts

Wenn nun alle vom Festland aus betriebene Polarforschung des AWI, auch mit Blick auf Spitzbergen, Grönland und die russischen Dauerfrostgebiete, in Potsdam ihr Domizil finden soll, heißt das Bündelung entsprechender Kapazitäten. So wird die gesamte polare Warmblüterbiologie (Robben, Pinguine, Vögel) in Potsdam konzentriert. Ebenso die periglaziale Geologie und Bodenkunde. Die weltweit längste Meßreihe der vertikalen Verteilung des Ozons über der Antarktis, 1985 an der Forster-Station gestartet, demnächst an der neuerbauten deutschen Überwinterungsstation „Neumayer“ auf dem Ekström-Schelfeis (Nordostküste des Weddellmeeres) fortgesetzt - wird auf dem Telegrafenberg bearbeitet.

Daß gute Forschungsergebnisse eines ehemaligen Akademie-Insti-

tuts oder Institutsteils, ja daß selbst, annähernd gleiches personelles Niveau vorausgesetzt, sich ergänzende, sogar paßfähige Konzeptionen einer westlichen und einer östlichen wissenschaftlichen Einrichtung noch nicht die Gewähr bieten, die östliche zu erhalten, haben wir an vielen Beispielen erfahren. Auch die positive Bewertung seitens des Wissenschaftsrates eine schon von vielen subjektiven Faktoren abhängige, fragwürdige Angelegenheit - hatte nicht immer positive Folgen. Die Eröffnung der Forschungsstelle des Alfred-Wegener-Instituts in Potsdam könnte deutlich machen, welche Chancen dem Einigungsvertrag zu entnehmen waren und welche anderswo vergeben wurden. Und: wie sehr dies vom Engagement der jeweils verantwortlichen Gremien abhing. Die genannten qualitativen Voraussetzungen waren bei..den ostdeutschen Polarforschern gegeben. Der Vorsitzende der Evaluationsgruppe Geowissenschaften '-war Prof. Gotthilf Hempel, Direktor des AWI. Er und die anderen Mitglieder der Kommission kannten, auch aus früheren Kontakten, die Arbeiten ihrer Kollegen im Anschlußgebiet. Bei allen Unsicherheiten, die es auch hier zu Anfang gab, war der Wille zu spüren, das Erhaltenswerte wirklich zu erhalten, und zwar am Ort, wo es entstanden ist. Gutachter und Institutsleitung wehrten sich auch gegen hier und da aufkommende Absichten der Vereinnahmung oder des Überstülpens eigener Konzepte. Und so konnte Prof. Hempel in der Eröffnungsrede, nachdem die neuen Aufgaben abgesteckt waren, ein erfolgreich eingelöstes Credo formulieren: „Die Forschungsstelle darf nicht zum Hort nostalgischer Kumpanei werden, es soll hier aber die Erinnerung an dreißig Jahre ostdeutscher Polarforschung gepflegt werden. Ich glaube, daß wir damit im Kleinen einen Beitrag zum inneren Frieden in Deutschland leisten können.“ Schön, wenn solcher Geist der Gemeinsamkeit Schule machte.

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