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  • Politik
  • Auseinandersetzungen in Italien um neonazistisches Treiben

Überzieht ^deutsche Krankheit'Europa?

Wie überall in Europa stellt man sich in Italien die Frage, ob es sich bei der fremdenfeindlichen Nazipest und ihren Anhängseln um eine ansteckende Krankheit, um eine ansteckende Seuche handelt, gegen die kein Land gefeit ist. In der Presse wird daran erinnert, wie brutal die italienische Regierung seinerzeit die Emigranten aus Albanien aus dem Lande gejagt hat, wie großzügig hingegen Deutschland 275 000 jugoslawische Flüchtlinge aufnimmt, während Italien auch jetzt wieder weitgehend seine Grenzen verrammelt.

In den Zeitungskommentaren werden einseitige Verdammungs-

urteile gegenüber dem Phänomen des neonazistischen Rassismus weitgehend abgelehnt. „La Stampa“ stellt sich die Frage, ob man es mit der „deutschen Krankheit“ zu tun habe, der Europa erneut gegenüber stehe und gibt darauf die Antwort: Es geht um eine europäische Krankheit, mit der wir fertig werden müssen.

Wie ansteckend diese Krankheit ist, haben in der Tat Ausschreitungen von rassistischen neonazistischen Gruppen in anderen Ländern, auch in Italien, gezeigt. In politischen Kreisen Roms macht sich keine Illusionen darüber, daß die

Gefahr von Explosionen ä la Rostock überall möglich sind, wenn sie vom Rassenhaß entschlossener Naziskins angeheizt werden.

Zu besorgten Überlegungen gibt laut „La Stampa“ die Tatsache Anlaß, daß fremdenfeindliche und rassistische Haßausbrüche keineswegs auf durch Armut frustrierte Volksgemeinschaften beschränkt sind, sondern auch in einer wohlhabenden, aber egoistischen Gesellschaft wie der im vereinten Deutschland möglich sind. Mit dieser besorgten Feststellung wird der westeuropäischen Konsumgesellschaft der Spiegel vorgehalten.

BRUNO ROMANO, Rom

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