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  • Dynäfnd Dresden: Präsident Ziegenbalg trat zurück

Kein Wasser im Sponsoren-Pool

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Die Agenturen verbreiteten am Silvesternachmittag die Nachricht in Eilmeldungen: Wolf-Rüdiger Ziegenbalg, Präsident des 1. FC Dynamo Dresden, ist zurückgetreten. Noch zwei Tage vorher hatte er extra eine Pressekonferenz ins Harbig-Stadion einberufen, um dort vor einem Dutzend laufender Kameras zu erklären, warum er nicht zurücktritt, und eine Großaktion zur Rettung des Vereins angekündigt.

Dabei ging über die Journalisten auch eine Zahlenlawine nieder, die angekündigte Offenlegung der Finanzen. Nachdem jeder versucht hatte, die Schulden, Verbindlichkeiten, Außenstände, von Gerichten blockierte Summen, Werbe- und andere Einnahmen aufzulisten, kamen die meisten auf ein Minus über 13 Millionen DM. „Der Verein ist in einer fast ausweglosen Situation“, meinte der Präsident. Soviel Wahrheit pur hatte man von ihm in den letzten Monaten nicht gehört.

Was geschah nun in den 48 Stunden seither hinter den Kulissen? Das groß angekündigte „Gremium zur Rettung des 1. FC Dynamo Dresden“, dem rund 20 Persönlichkeiten der Stadt als Repräsentanten von Wirtschaft, Kultur, Behörden und Banken angehören sollten, kam am Mittwoch nicht aus den Startblöcken. Viele der erhofften Retter blieben aus. Und die gekommen waren, hatten sehr unterschiedliche Auffassungen von der Rettungstherapie. Unter diesen Umständen war keine

mutige Riege von Wirtschaftsmanagern zusammenzubringen, die sich zum Sprung in einen Sponsoren-Pool bereit erklärten, in dem es kein Wasser gibt.

Damit war nun der Präsident aufgefordert, aus seinem Sessel selbst zu springen. Denn - so war auf der letzten Pressekonferenz auch zu notieren - der Handlungsspielraum des Präsidiums gegenüber potentiellen Sponsoren ist sehr begrenzt. Und ohne deren „Zuflüsse“ gibt es für den Verein keine Chance mehr, in der 1. Bundesliga zu verbleiben.

Nun amtiert bis zur Mitgliederversammlung Ende Januar Dieter Burmester. Der Westberliner Autohändler hat dem Verein zu danken, daß er sich gleich nach der Wende erfolgreich in Sachsens Metropole etablieren konnte: Seine erste Geschäftsadresse war das Harbig-Stadion. Im Gegenzug finanzierte er den Umstieg der Aktiven von der LADA- auf die Audi-Flotte. Wie sich seine Vor- und Nachteile durch die Präsidiumsfunktion sonst noch aufrechnen lassen, weiß man nicht.

Mit Ziegenbalg ging der Mann, den man im Rathaus als massive Blockade der Zusammenarbeit sah. Es bleibt abzuwarten, wie sich das nun entwickelt. Ein Präsidium, das bei Null begann und zwei Jahre später reichlich 13 Millionen „Miese“ vorweist, kann niemand erfolgreich nennen. Doch Ziegenbalgs Präsidentschaft ist nicht nur eine Sum-

me von Fehlleistungen. Da waren z. B. zu einer Zeit, als die Eigentumsverhältnisse des Stadions noch nicht überschaubar waren und sich das Rathaus in vielem aktionsunfähig zeigte, weittragende Entscheidungen mit finanziellen Konsequenzen zu fällen, um überhaupt die Bundesligalizenz zu erhalten. Die Dresdner Stadtverwaltung weiß selbst, wie schnell Ausgaben zustande kommen, die nicht gründlich durchdacht sind. So wurde schon eine dreistellige Millionensumme für die Untertunnelung des Bahnhofs-Vorplatzes ausgegeben, die kaum jemals gebraucht werden wird. Dagegen sind Ziegenbalgs Verluste nur ein „Sümmchen“.

Die Mitgliederversammlung wird Ende Januar ein neues Präsidium wählen. Der zurückgetretene Schatzmeister Rolf-Jürgen Otto hat inzwischen Bereitschaft signalisiert, für das Präsidentenamt zur Verfügung zu stehen, wenn das gewünscht wird. Der 52jährige Bauunternehmer hat zusammen mit seinem Partner Walter Hoff schon viel getan, um dem Verein aus der Patsche zu helfen und verfügt auch über Drähte zu Managern mit „spendablen“ Konten. Diese Verbindungen sind für den 1. FC Dynamo Dresden jetzt der Lebensnerv - natürlich zusammen mit der Profimannschaft, von der zur Zeit kaum einer spricht. Sie ist ja aber alleiniger Erzeuger jenes „Produkts“, das nun endlich verlustfrei vermarktet werden soll. H.R.

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