OZON entgiftet

Ausgezeichnetes Umweltmagazin vor Abwicklung?

  • Von Tom Kirschey und Thomas Großmann
  • Lesedauer: ca. 1.5 Min.

Im November 1989 startete das DDR-Fernsehen ein einzigartiges Projekt: die Versorgung der Bevölkerung mit unzensierten und umfassenden Umweltinformationen - OZON. Die Redaktion der Sendung erhält 2003 den Umweltjournalistenpreis des Naturschutzbundes Brandenburg. Mit der Senderfusion des Brandenburger ORB und des Berliner SFB zum RBB droht OZON aber nun die Abwicklung.

Luft zum Atmen« war der Titel der ersten Sendung, die das Team um den Redakteur Hartmut Sommerschuh im November 1989 produzierte. Erstmals wurde in der Sendung offen über die Luftverschmutzung in den ostdeutschen Großstädten und die gesundheitlichen Folgen gesprochen. Diese Sendung war eine kleine Sensation, hatte doch die Leitung des Fernsehens der DDR bislang strikt darauf geachtet, keine »grüne Tendenzen«, so in der Berichterstattung über Landwirtschaft, zuzulassen. Seitdem gingen der Redaktion und ihren Autoren die Themen nicht aus. Fragen stellte OZON in seiner vierzehnjährigen Geschichte viele und brachte damit so manchen Politiker und Verwalter in Schwierigkeiten. Auch die Anfangserfolge brandenburgischer Umweltpolitik wurden in vielen Reportagen in einer Weise dargestellt, die frei von Partei- oder Regierungspropaganda blieb. Nach dem Ende des Deutschen Fernsehfunks 1991 übernahm der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) das Magazin. Bequem und stromlinienförmig war OZON nie. Umweltbewusstsein kann es ohne Umweltinformation nicht geben - dem Leitmotiv ist die Redaktion all die Jahre gefolgt, auch in den Zeiten, als aus den Printmedien Umweltthemen mehr und mehr verschwanden. Die Sendung hat Maßstäbe gesetzt. Besondere Anerkennung und einen Sonderpreis des Filmfestivals »Ökomedia« erhielt OZON für die Reportage über die Umweltfolgen des NATO-Krieges gegen Jugoslawien 1999. Mit der Fusion der Brandenburger und Berliner Sendeanstalten zum Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und der damit zusammenhängenden geplanten Veränderung der Sendestruktur ist OZON aber nunmehr in Gefahr. Statt jeden Monat um 21 Uhr OZON soll es einen Sendeplatz für »Umwelt und Wissenschaft« nach 22 Uhr geben. Insbesondere die von RBB-Fernsehdirektor Gabriel Heim vorgeschlagene inhaltliche Zusammenfassung von Umwelt und Wissenschaft lässt befürchten, dass umweltpolitische Themen, die den wertvollen Informationsgehalt der Sendung ausmachen, künftig ein Schattendasein führen. »Dieses Verfahren ergänzt sich mit der derzeitigen Umweltpolitik in unserer Region - die Probleme verschweigen und hoffen, dass sie sich von selbst lösen«, kritisiert Burkhard Voß, Vorsitzender des BUND Brandenburg. Nachdem die Vorschläge des Fernsehdirektors am Mittwoch bekannt wurden, protestierten 17 Berliner und Brandenburger Umweltverbände mit über 100000 Mitgliedern in einem Brief an RBB-Intendantin Dagmar Reim gegen diese Bestrebungen. Die Bevölkerung unserer Region habe ein Recht auf um...

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