Der Soldat - eine unerwartete Begegnung

Eine Geschichte zum Solidaritätstag mit dem palästinensischen Volk

  • Von Mahmoud Ansari, Jerusalem
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.
Ich stieg aus dem Auto. Während ich die Straße überquerte und in Richtung unseres Hauses lief, gab ich mein Bestes, die Soldaten zu ignorieren, die sich neben der Pizzeria niedergelassen hatten und die Leute aufhielten, um ihre Ausweise zu kontrollieren. Als ich selbst an der Pizzeria vorbeiging, atmete ich erleichtert auf und klopfte mir heimlich auf die Schulter, weil es mir gelungen war, nicht aufgehalten zu werden. Leider hatte ich mich jedoch zu früh gefreut. Plötzlich, als ich einige Meter in die von mir als »sicher« betrachtete Zone hinein gegangen und in die vertraute Welt der Tagträumerei zurückgekehrt war, hörte ich wie ein Soldat brüllte... Zuerst dachte ich, dass er jemand anderes anschrie, doch dann wurde mir klar, dass ich es war - ich! - dessen Aufmerksamkeit er verlangte. Besonders dann, als er sein Gewehr auf mich richtete und eine Kugel auf den Boden zwischen meinen Beinen abfeuerte! Auf ein Mal versagten meine Beine, die wegen der Wucht des Schusses und dem, was ich nur als pure Angst bezeichnen kann, nicht mehr imstande waren, meinen Körper zu tragen. Ich sah mich ausgestreckt auf dem Boden liegen mit dem Soldat neben mir, der sein Gewehr auf meinen Kopf richtete. »Gib mir deinen Ausweis«, schrie der Soldat auf hebräisch. Hilflos gab ich ihm meinen Ausweis und sah zu, wie er ihn aus meiner Hand riss und auf eine höchst einschüchternde Art begann, das Foto oben links und dann mein Gesicht anzustarren. Sein Blick ging hin und zurück von dem Einen zum Anderen, als ob er sich vergewissern wollte, dass das Bild wirklich meins war. Als nächstes kamen meine persönlichen Details: mein Name, mein Wohnort, meine Religion und meine Staatsangehörigkeit. Nachdem ihm endlich klar wurde, dass ich in der näheren Umgebung wohnte und keine »Bedrohung« war, warf er mir den Ausweis vor die Füße und fragte: »Hast du nicht gehört, wie ich dir befohlen habe, stehen zu bleiben?« Worauf ich erwiderte, dass ich dachte, er habe nach jemand anderem gerufen. Er starrte mich einige Sekunden lang an und sagte dann: »Dieses mal verzeihe ich dir, aber solltest du mich noch mal ignorieren, werde ich dich töten.« Dann, fast beiläufig, fügte der Soldat hinzu: »Weißt du, ich muss dich wirklich etwas fragen. Das Geräusch des Gewehres hat dich dermaßen erschreckt, dass du zu Boden gefallen bist, fast als ob du nie dem Geschützfeuer ausgesetzt worden warst. Deine Freunde jedoch sind blind gegen die Bedrohung, die von den Kanonen ausgeht, und kümmern sich vielmehr darum, den nächsten Stein zu finden, den sie werfen können. Mir scheint es, dass du hier neu bist, richtig?« Ich hatte keine andere Wahl, als ihm zu antworten. »Nein, ich wurde hier geboren und habe die erste Intifada miterlebt, aber ich wich nie von der Seite meiner Mutter. Soweit ich mich daran erinnern kann, war ich nur zwei Mal dem Geräusch des Geschützfeuers ausgesetzt und auch dann war meine Mutter an meiner Seite. Vielleicht reagiere ich deshalb anders. Meine Mutter hat mich immer beschützt, indem sie mich irgendwo versteckt hat, wo man die Kugeln, die mein Volk töteten, nicht hören konnte. Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, die durch Frieden und Sicherheit geprägt war. Dies ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich dem Beschuss alleine ausgesetzt war; deshalb hatte ich solche Angst, als du angefangen hast zu schießen.« Der Soldat warf mir einen Blick zu, den ich nicht identifizieren konnte. Dann zeigte er in Richtung meines Hauses und sagte: »Auf jeden Fall ist es das erste Mal, dass ich jemand wie dich kennen lerne und ich freue mich, dich getroffen zu haben. Geh jetzt nach Hause.« Nachdem der Soldat mich gehen lies, kehrten meine Gedanken immer zurück, nicht zu dem, was hätte passieren können, aber zu dem, was eigentlich passiert war und zu unserem etwas eigenartigen Gespräch. Ich hatte immer geglaubt, dass es unmöglich sei, mit Soldaten zu kommunizieren, weil sie zum Töten und nicht zum Denken und Diskutieren programmiert wurden. Dies war das erste Mal, dass einer von ihnen mit mir - oder wie es schien, mit irgend einem anderen Palästinenser - auf eine solche Art gesprochen hatte. Ich fragte mich dann, ob Kommunikation, eine andere Kommunikation als die, die durch Werfen von Steinen und dem Abfeuern von Kugeln geprägt ist, zwischen »uns« und »denen« möglich sei? Und weißt du was? Das frage ich mich immer noch. Ich stieg aus dem Auto. Während ich die Straße überquerte und in Richtung unseres Hauses lief, gab ich mein Bestes, die Soldaten zu ignorieren, die sich neben der Pizzeria niedergelassen hatten und die Leute aufhielten, um ihre Ausweise zu kontrollieren. Als ich selbst an der Pizzeria vorbeiging, atmete ich erleichtert auf und klopfte mir heimlich auf die Schulter, weil es mir gelungen war, nicht aufgehalten zu werden. Leider hatte ich mich jedoch zu früh gefreut. Plötzlich, als ich einige Meter in die von mir als »sicher« betrachtete Zone hinein gegangen und in die vertraute Welt der Tagträumerei zurückgekehrt war, hörte ich wie ein Soldat brüllte... Zuerst dachte ich, dass er jemand anderes anschrie, doch dann wurde mir klar, dass ich es war - ich! - dessen Aufmerksamkeit er verlangte. Besonders dann, als er sein Gewehr auf mich richtete und eine Kugel auf den Boden zwischen meinen Beinen abfeuerte! Auf ein Mal versagten meine Beine, die wegen der Wucht des Schusses und dem, was ich nur als pure Angst bezeichnen kann, nicht mehr imstande waren, meinen Körper zu tragen. Ich sah mich ausgestreckt auf dem Boden liegen mit dem Soldat neben mir, der sein Gewehr auf meinen Kopf richtete. »Gib mir deinen Ausweis«, schrie der Soldat auf hebräisch. Hilflos gab ich ihm meinen Ausweis und sah zu, wie er ihn aus meiner Hand riss und auf eine höchst einschüchternde Art begann, das Foto oben links und dann mein Gesicht anzustarren. Sein Blick ging hin und zurück von dem Einen zum Anderen, als ob er sich vergewissern wollte, dass das Bild wirklich meins war. Als nächstes kamen meine persönlichen Details: mein Name, mein Wohnort, meine Religion und meine Staatsangehörigkeit. Nachdem ihm endlich klar wurde, dass ich in der näheren Umgebung wohnte und keine »Bedrohung« war, warf er mir den Ausweis vor die Füße und fragte: »Hast du nicht gehört, wie ich dir befohlen habe, stehen zu bleiben?« Worauf ich erwiderte, dass ich dachte, er habe nach jemand anderem gerufen. Er starrte mich einige Sekunden lang an und sagte dann: »Dieses mal verzeihe ich dir, aber solltest du mich noch mal ignorieren, werde ich dich töten.« Dann, fast beiläufig, fügte der Soldat hinzu: »Weißt du, ich muss dich wirklich etwas fragen. Das Geräusch des Gewehres hat dich dermaßen erschreckt, dass du zu Boden gefallen bist, fast als ob du nie dem Geschützfeuer ausgesetzt worden warst. Deine Freunde jedoch sind blind gegen die Bedrohung, die von den Kanonen ausgeht, und kümmern sich vielmehr darum, den nächsten Stein zu finden, den sie werfen können. Mir scheint es, dass du hier neu bist, richtig?« Ich hatte keine andere Wahl, als ihm zu antworten. »Nein, ich wurde hier geboren und habe die erste Intifada miterlebt, aber ich wich nie von der Seite meiner Mutter. Soweit ich mich daran erinnern kann, war ich nur zwei Mal dem Geräusch des Geschützfeuers ausgesetzt und auch dann war meine Mutter an meiner Seite. Vielleicht reagiere ich deshalb anders. Meine Mutter hat mich immer beschützt, indem sie mich irgendwo versteckt hat, wo man die Kugeln, die mein Volk töteten, nicht hören konnte. Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, die durch Frieden und Sicherheit geprägt war. Dies ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich dem Beschuss alleine ausgesetzt war; deshalb hatte ich solche Angst, als du angefangen hast zu schießen.« Der Soldat warf mir einen Blick zu, den ich nicht identifizieren konnte. Dann zeigte er in Richtung meines Hauses und sagte: »Auf jeden Fall ist es das erste Mal, dass ich jemand wie dich kennen lerne und ich freue mich, dich getroffen zu haben. Geh jetzt nach Hause.« Nachdem der Soldat mich gehen lies, kehrten meine Gedanken immer zurück, nicht zu dem, was hätte passieren können, aber zu dem, was eigentlich passiert war und zu unserem etwas eigenartigen Gespräch. Ich hatte immer geglaubt, dass es unmöglich sei, mit Soldaten zu kommunizieren, weil sie zum Töten und nicht zum Denken und Diskutieren programmiert wurden. Dies war das erste Mal, dass einer von ihnen mit mir - oder wie es schien, mit irgend einem anderen Palästinenser - auf eine solche Art gesprochen hatte. Ich fragte mich dann, ob Kommunikation, eine andere Kommunikation als die, die durch Werfen von Steinen und dem Abfeuern von Kugeln geprägt ist, zwischen »uns« und »denen« möglich sei? Und weißt du was? Das frage ich mich immer noch.
ND-Spe...

Warum endet dieser Text denn jetzt schon? Mittendrin? Ich möchte den Artikel gerne weiterlesen!

Um den ganzen Artikel zu lesen, haben Sie folgende Möglichkeiten:


Haben Sie bereits ein Online- oder Kombi-Abo? Dann loggen Sie sich einfach ein. Wenn nicht, probieren Sie doch mal unser Digital-Mini-Abo:

Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Warum ist der Artikel so kurz?

Der Artikel ist in Wirklichkeit länger: 1107 Wörter (6884 Zeichen).

Wenn Sie ein entsprechendes Abo gewählt haben, können Sie sich einloggen und den ganzen Artikel lesen. Und auch alle anderen Artikel seit 1990.

Wir stellen einen großen Teil unseres Angebots im Internet gratis zur Verfügung. Damit das finanzierbar bleibt, ist es wichtig, das viele Leute trotzdem bereit sind, für das Angebot zu bezahlen.

Alle Abo-Angebote

Foto: Zeitung, Smartphone, iPad und eine Tasse Kaffee

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.