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Adventszeit ist Spendenzeit

Verbraucherschützer warnen vor unseriösen Sammlern: Vorher informieren

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: 3 Min.
Von den rund 2 Milliarden Euro, die die Deutschen im Jahr für soziale Zwecke ausgeben, wandert ein Großteil in den Wochen vor dem »Fest der Liebe« in die Sammelbüchsen von Hilfsorganisationen.
Es gibt viele Gründe dafür, dass Menschen uneigennützig ihre Geldbörse zücken. Eines der häufigsten Motive ist laut einer aktuellen österreichischen Studie ein Gefühl der Rührung. Womit auch ein Hinweis gegeben wäre, warum die Spendenbereitschaft gerade in der an Sentimentalitäten reichen Wochen vor Weihnachten ihren jahreszeitlichen Höhepunkt erreicht. Auch in diesem Jahr. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein warnt indes vor dem »Geschäft mit der Mitleidsmasche«. Denn nicht überall, wo Hilfe draufsteht, ist auch wirklich welche drin. Wer auf Nummer sicher gehen will, ist beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen an der richtigen Adresse. Das DZI vergibt an seriöse Organisationen ein Spendensiegel, mit dem sich Verbraucher im immer größer werdenden Spendenmarkt orientieren können. Bei der Prüfung scheitern DZI-Geschäftsführer Burkhart Wilke zufolge immerhin 30 Prozent der Organisationen, die sich um das Gütelogo mit dem grünen Sternenkranz bemühen. Allerdings ist das Siegel für die Organisationen freiwillig, »wer nicht will, der muss nicht«. Ein Hinweis auf mangelnde Seriosität von Spendenorganisationen ist laut Wilke eine übermäßig plakative und Mitleid erheischende Werbung. Auch vor Spendensammlern auf der Straße wird gewarnt. Bei der Vergabe des Siegels achtet das DZI nicht zuletzt auf den Anteil der Spenden, die für Verwaltung und Werbung ausgegeben werden. Die größeren Hilfsorganisationen liegen mit ihren Verwaltungs- und Werbungskosten deutlich unter der Grenz-Marge von 35 Prozent. Beim Kinderhilfswerk UNICEF etwa gingen im Jahr 2002 von den 74,6 Millionen Euro Gesamteinnahmen rund 4,6 Millionen Euro in die Öffentlichkeitsarbeit, weitere Kosten entstanden für die Spendenwerbung und den Vertrieb von Grußpostkarten, mit denen UNICEF einen Teil ihrer Mittel erwirtschaftet und allgemeine Verwaltungskosten. Der Wettbewerb um Spendenmittel wird immer härter: So sitzt vielen Menschen angesichts erwarteter sozialer Einschnitte das Geld nicht mehr so locker. Umfragen haben gezeigt, dass die Spendenfreudigkeit unter der Wirtschaftslage leidet: Rund 40 Prozent der Deutschen wollen in diesem Winter weniger geben als noch im Jahr zuvor. Zudem wächst die Zahl der Organisationen, die um Spenden bitten. Ein Problem vor allem für die kleineren Hilfswerke, die mit groß angelegter Spendenwerbung von UNICEF und Co. nicht konkurrieren können. So liegen die Ausgaben für die Einwerbung von Spenden beim INKOTA-Netzwerk, für das auch im Rahmen der ND-Spendenaktion »3 Kontinente« gesammelt wird, jährlich bei höchstens 5000 Euro. Zum Vergleich: Die Diakonie Katastrophenhilfe, die 2002 rund 64 Millionen Euro an Spenden einsammelte, konnte für Spendenwerbung rund 870000 Euro aufwenden. Angesichts dieser »Ökonomie der Aufmerksamkeit« raten Experten dazu, Spenden nicht wahllos zu streuen. Wer nach dem Motto »vielen wenig geben« spendet, verursacht auch einen verhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand bei den Organisationen. Sinnvoll sei es, so die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, im unmittelbaren Umfeld zu spenden oder für Hilfsprojekte, über deren Fortgang hinreichend informiert wird. Infos über Organisationen, die um Spenden bitten, gibt es unter www.dzi.de oder bei den regionalen Verbraucherzentralen

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