Nafez Botschaft der Toleranz

In Palästina unterstützt Weltfriedensdienst die »Bücherei auf Rädern«

  • Von Elke Kuhne und Peter Schäfer, Hebron
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.
Fatimas segnende Hand - die blau verzierte Hand bedeutet in der muslimischen Tradition Glück und Segen. Sie soll Unheil fern halten - sehnlichster Wunsch auch der Kinder von Hebron. Mit ihren Zeichnungen haben die Jungen und Mädchen die Wände der Bücherei verzieren dürfen. Sie haben sich idyllische Motive gewählt: eine große Sonne, viele Blumen, Tiere. Die »Bücherei auf Rädern für Gewaltlosigkeit und Frieden« ist eine Oase inmitten einer rauen Wirklichkeit. Das Stadtbild von Hebron ist geprägt durch israelische Soldaten. Die Bewohner im Zentrum der Stadt durften in den letzten drei Jahren an fast 600 Tagen ihre Häuser nicht verlassen, damit sich wenige hundert jüdische Siedler frei bewegen können. Hohe Arbeitslosigkeit, Armut und Verzweiflung sind die Folge. In der vorübergehend sesshaften Bibliothek sind nicht nur Bücher untergebracht. Sie beherbergt auch Räume für Kinder. Mit Theaterspielen und Malstunden werden sie angeregt, ihre Ängste und Probleme zu schildern - eine notwendige psychologische Betreuung, nach der in den besetzten Gebieten ein riesiger Bedarf besteht. Die Mitarbeiter der »Bücherei auf Rädern«, deren Arbeit vom Weltfriedensdienst (WFD) unterstützt wird, tun viel dafür, dass die Kinder in Hebron die kleine Bücherei als einen friedlichen Ort erleben. Papier und Buntstifte sind ein wichtiges Mittel, um sich in Welten zu versetzen, in denen kein Krieg herrscht, in denen es möglich ist, fröhlich und unbekümmert Kind zu sein. Jeden Mittwoch füllt sich der Bibliotheksraum mit quirligem Leben. Es wird gebastelt, gesungen, gemalt. Manchmal wird es ein wenig eng. Dann setzt sich Nafez Assaily, Leiter der »Bücherei auf Rädern«, mit den Jungen und Mädchen in einen Kreis. Sie erzählen sich Geschichten, die sie selbst erfinden. Sehr viel lauter geht es zu, wenn gemeinsam musiziert wird. Musikinstrumente stehen dafür nicht zur Verfügung. Manchmal ist es eine Sammlung alter gebrauchter Dosen, die - mit unterschiedlich großen Steinen gefüllt - zu eindrucksvollen Rasseln werden. Auch dabei verfolgt Nafez Assaily ein pädagogisches Ziel: »Wir wollen zeigen, dass auch ganz alltägliche Dinge Spaß bringen können und man eigentlich nur genügend Fantasie dafür braucht.« Bereits vor mehr als 20 Jahren begann das Team, mit Büchern über Gewaltfreiheit und Toleranz durch palästinensische Dörfer und Flüchtlingslager zu ziehen. Orte, in denen Bücher und Zeitschriften Mangelware sind. Die Aktivisten beschränkten sich aber nicht auf den Buchverleih. Von israelischen Siedlern und Soldaten bedrohten Dorfbewohnern boten sie Hilfe zur gewaltfreien Selbsthilfe an. Als die israelische Besatzungsmacht vor zehn Jahren begann, einzelne Städte und Dörfer voneinander zu isolieren, wurde das Engagement der rollenden Bücherei immer wichtiger - bis auch sie die Sperren nicht mehr passieren durfte. Die »Bücherei auf Rädern« hat mit Jugendlichen Hebrons auch mehrere Seminare zum Thema Gewaltfreiheit organisiert. Und die Engagiertesten sollen 2004 von einer deutschen Friedensfachkraft - entsandt vom WFD - als Trainer angelernt werden. So erhofft sich die Friedensinitiative neue Möglichkeiten in der Abwehr der Gewalt von Soldaten und Siedlern. »Wenn jemand getötet wird«, erklärt Nafez Assaily, »dann darf das nicht in Vergeltung, sondern muss in eine konstruktive Aktion münden.« Jugendliche sollen lernen, ihre Wut in gewaltfreie Widerstandsformen umzusetzen. Gemeinsam werden sie trainieren, sich der Besatzungsmacht gewaltlos in den Weg zu stellen und damit ein Beispiel schaffen, d...

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