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Bin Laden gefasst, Schröder gestürzt!

Was Astrologen und Hellseher für das Jahr 2003 prophezeiten

In Deutschland gibt es derzeit rund 20000 Astrologen, Wahrsager und Hellseher, die für ihre Dienste jährlich 500 Millionen Euro kassieren. Denn viele Menschen sind regelrecht versessen darauf, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Auch für das Jahr 2003 haben professionelle »Seher« ein wahre Flut von Prophezeiungen gewagt, an die sich vermutlich nur die wenigsten noch erinnern. In der Zeitschrift »Neue Revue« zum Beispiel erteilte Star-Astrologe Kurt Allgeier den politischen Ambitionen Arnold Schwarzeneggers bereits im Januar 2003 eine klare Absage: »Sein Wechsel in die Politik scheitert. Saturn in seinem Merkur verdirbt ihm diese Pläne.« Für Michael Jackson hingegen sah Allgeier goldene Zeiten voraus - dank Jupiter: »Die Sterne lieben ihn wieder. Er schafft es doch tatsächlich. Comeback in den Hitparaden, Jubel weltweit - Jacko! Jacko!« Bejubelt wird heute allenfalls Schwarzenegger als Gouverneur von Kalifornien; Jackson ist wegen Kindesmissbrauchs angeklagt. Auch Medien-Astrologe Winfried Noé wurde von den Sternen in die Irre geleitet. So sagte er für 2003 den Rücktritt von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt voraus und bescheinigte US-Präsident George W. Bush den Verlust der Macht. Ähnlich blamabel waren die Prognosen von Patricia Schwennold, die in Astrologenkreisen auch unter dem Namen »Bahrani« firmiert. Denn nach ihren Berechnungen sollten die Amerikaner im letzten Frühjahr eigentlich Osama bin Laden aufspüren. Und im Juni 2003 sagten ihr die Sterne das baldige Ende der Schröder-Ära voraus: »Noch in diesem Herbst wird es Neuwahlen geben. Angela Merkel steht dann für acht Jahre einer Großen Koalition vor.« Der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel hat in den letzten zwölf Monaten mehr als 100 Weissagungen von 30 verschiedenen Sehern gesammelt und im Auftrag der »Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften« (GWUP) statistisch ausgewertet. Sein Resümee: »Das vollmundige Versprechen diverser Astrologen und Wahrsager, sie könnten in die Zukunft blicken, steht im eklatanten Widerspruch zu ihren Prognoseleistungen.« Gleichwohl haben einige Prophezeiungen sich erfüllt. So sagte ein gewisser Wolfgang Hund im Januar 2003 voraus, dass Bundesaußenminister Joschka Fischer sich erneut scheiden lassen und Nationaltorhüter Oliver Kahn gesundheitliche Probleme bekommen werde. Nur: Hund ist kein professioneller Astrologe, sondern GWUP-Mitglied und hat nichts anderes getan, als nach dem Zufallsprinzip Prominenten die in der Boulevardpresse üblichen Schicksalsereignisse zuzuordnen: Krankheit, Scheidung, Schwangerschaft etc. »Wirklich überraschende Treffer landete niemand«, erklärt Kunkel. Denn um vorherzusagen, dass Deutschland beim Schlager-Grand-Prix nicht siegen werde (so die Astrologin Lilo von Kiesewetter am 29. April 2003 in einer SAT.1-Show), braucht man wohl kaum übersinnliche Fähigkeiten. Andere Sterndeuter gingen gleich auf Nummer sicher und prophezeiten vornehmlich Platitüden und Binsenweisheiten. Hier eine kleine Kostprobe: »Schäden und Unfälle durch Wasser, Skandale in Finanzwelt und Politik, Probleme im Gesundheitswesen, bezüglich der Umwelt usw. sind verstärkt möglich...« Und dies orakelte nicht irgendwer, sondern die weltberühmte Astrologin Elizabeth Teissier! Ungeachtet der bunten Vielfalt seherischer Prognosen sei eines deutlich erkennbar, meint Kunkel: »Weltbewegende Ereignisse aus der näheren Vergangenheit werden einfach in die Zukunft fortgeschrieben.« Seit dem Anschlag auf das World Trade Center im September 2001, den übrigens kein Astrologe vorhergesehen hat, häufen sich deshalb die Warnungen vor terroristischen Anschlägen. Patricia Schwennold sagte für dieses Jahr sogar ein Attentat auf George W. Bush voraus, während die letztjährige Flutkatastrophe in Sachsen vielen ihrer Kollegen wohl Anlass bot, für 2003 erneut große Überschwemmungen zu prophezeien. Doch zum Glück kam es dazu nicht, der Sommer in Deutschland war ungewöhnlich heiß und trocken. Nun ja, auch Hellseher können irren. Denn, wie sagte der berühmte dänische Physiker Niels Bohr so schön: »Vorhersagen sind immer schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.«

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