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Hungerstreik bei Coca-Cola

Gewerkschafter wehren sich gegen Schließungsvorhaben des Multis

In Kolumbien ist der Konflikt zwischen der Nahrungsmittelgewerkschaft SINALTRAINAL und dem Coca-Cola-Konzern erneut eskaliert, nachdem das Unternehmen in den vergangenen Monaten 15 Abfüllanlagen in dem südamerikanischen Land hat schließen lassen.
SINALTRAINAL lässt sich nicht kaltstellen. Nach Ansicht der Arbeitnehmerorganisation versucht Coca-Cola, die als kämpferisch geltende Nahrungsmittelgewerkschaft vollständig aus den Coca-Cola-Abfüllanlagen zu vertreiben. Durch einen zwölftägigen Hungerstreik hat SINALTRAINAL die kolumbianischen Coke-Lizenznehmer nun immerhin zu Verhandlungen über die Zukunft der von den Werksschließungen betroffenen Arbeiter bewegen können. Die im September 2003 erfolgte Schließung von elf Werken hat bereits Hunderte von Arbeitsplätzen vernichtet. Mit Entschädigungsangeboten und erheblichem Druck gelang es Coca-Cola, 500 fest angestellte Arbeiter zur Aufgabe ihrer Arbeitsverhältnisse »im gegenseitigen Einverständnis« zu drängen. Weitere 91 Entlassungen wurden vor wenigen Wochen vom zuständigen kolumbianischen Ministerium genehmigt. SINALTRAINAL zufolge laufen die Maßnahmen auf die Beseitigung regulärer Arbeitsverhältnisse und gewerkschaftlicher Organisationsmöglichkeiten im Allgemeinen hinaus. Von den etwa 10000 Arbeitern in den kolumbianischen Abfüllanlagen waren schon vor der Schließungswelle nur noch rund 1500 regulär beschäftigt. Die aufgrund von Zeitarbeitsverträgen Beschäftigten sind jedoch faktisch von gewerkschaftlicher Organisierung ausgeschlossen. Weil ihre Verträge ständig erneuert werden müssen, sind sie gezwungen, sich willfährig gegenüber den Unternehmensleitungen zu zeigen. Zudem verfolgt der Konzern eine aggressive Politik des »Outsourcings«. Coca-Cola bestimmt gegenüber den örtlichen Lizenznehmern zwar die Rahmenbedingungen der Produktion, zieht sich jedoch so weit aus dem Geschäft zurück, dass das Mutterunternehmen nicht mehr unmittelbar verantwortlich ist. Eine dritte Strategie antigewerkschaftlicher Politik ist schließlich der schmutzige Krieg. Seit 1995 sind allein bei Coca-Cola neun Gewerkschafter von rechten Paramilitärs ermordet worden. Dutzende von SINALTRAINAL-Mitgliedern mussten wegen Morddrohungen ihre Heimatorte verlassen und in anderen Städten Kolumbiens Exil suchen. Durch den Hungerstreik, der am 26. März ausgesetzt wurde, hat SINALTRAINAL versucht, auf diese Situation aufmerksam zu machen und die Kündigungswelle zu stoppen. Die Gewerkschaft fordert die Einhaltung der tarifvertraglichen Vereinbarungen, wonach die Coca-Cola-Abfüller gezwungen sind, nach Werksschließungen neue Arbeitsplätze und Weiterbildung anzubieten. Nicht zuletzt geht es dabei auch um das physische Überleben der Nahrungsmittelgewerkschaft. Durch Umstrukturierungen, »flexibilisierte« neue Arbeitsgesetze, Auslagerungen und offene paramilitärische Gewalt hat SINALTRAINAL in den vergangenen zehn Jahren mehr als die Hälfte der Mitglieder verloren. Ob die Gespräche mit der Coca-Cola-Gruppe zu einem Kompromiss führen werden, ist völlig unklar. Der zweite Vorsitzende von SINALTRAINAL, Edgar Paez, wertete die Zustimmung des Konzerns zu Gesprächen dennoch als einen Erfolg, der nur durch internationalen Druck auf das Unternehmen zustande gekommen sei. Im Rahmen der Coca-Cola-Boykottkampagne hatte es in den USA und Spanien in den vergangenen Wochen mehrere Solidaritätsaktionen mit der Gewerkschaft gegeben.

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