Mehr für Auge und Ohr

Schloßgarten in Neustrelitz - »Luise - Königin der Herzen«

  • Von Klaus Klingbeil
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.
Hörner erschallen, Kutschen fahren vorüber, Pferde werden geritten, Kanonen feuern. Vielfalt der Kostüme, Uniformen und Livreen. Das Auge kann sich kaum satt sehen an der Vielfalt, die im Neustrelitzer Schlosspark - einst auch mitgestaltet von Lenné - geboten wird bei Deutschlands größten Operettenfestspielen. 2600 Zuschauer am ausverkauften Premierenabend auch in Anwesenheit von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringsdorff - das ist ein guter Auftakt.
Franz von Suppés »Leichte Kavallerie« tönt durchs Areal. Und später wird auch das innige Duett »Hab ich nur deine Liebe« aus seiner Operette »Boccaccio« erklingen als Versprechen der titelgebenden Luise, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz und künftige preußische Königin, und dem Kronprinzen, der bald König Friedrich Wilhelm III. sein wird. Eine wirkliche Liebesheirat kündigt sich an. Zu Lebzeiten wurde Luise von Dichtern wie Kleist und Schlegel besungen, von Schadow mit Schwester Friederike in Stein gehauen. Inzwischen sind mehrere heutige wohlwollende Biografien über die Monarchin, die sich vom Reifrock und manch anderer Konvention trennte, das schlichte Landleben mehr liebte als Pomp, auf dem Markt, darunter auch eine von Günter de Bruyn.
Eine Operette über sie gibt es nicht. Also muss man sie schaffen, sagten sich Neustrelitzer Tourismus-Experten. »Luise - Königin der Herzen« entstand als Kassenfüller, zusammengefügt aus Operettenmelodien von Berühmtheiten der Gattung mit neu unterlegten Texten. Anlass waren 300 Jahre Preußen wie Mecklenburg-Strelitz, die sich mit Kronprinz und norddeutscher Prinzessin erstmals die Hände reichten. »Im Weißen Rössl« und »Csárdásfürstin« folgten, 2005 zum 100. Jubiläum wird es Lehárs »Lustige Witwe« sein. Und in diesem Jahr ist es eben wieder Luise, Teil 2. »Eine Königin tanzt« heißt die neue Kompilation mit populärer Musik weiter noch von zwei Strauß-Brüdern, Offenbach, Millöcker (»Einmal möcht' ich so verliebt sein«) und Edmund Eysler. Zwar tanzen mehr die anderen, voran acht Paare der in Neustrelitz beheimateten Deutschen Tanzkompanie. Und der mit auftretende Metternich behauptet, aber wohl mehr, um zu schockieren, Luise könne gar nicht tanzen. In dem Text von Oliver Hohlfeld, früherer Neustrelitzer Dramaturg, geht es zumal im ersten Teil ein wenig inhaltslos zu, ehe auf die Verlobung, auch der Schwester mit dem Kronprinzen-Bruder, zugesteuert wird. Aber geschickt werden die Musiknummern verbunden (von Thomas Möckel, der in einem Fall auch als weniger kompetenter Komponist in Erscheinung tritt). Aus der etwas schwachen Vorlage macht der Hannnoveraner Wolfgang Lachnitt enorm etwas, indem er im Hintergrund auch die armen Mecklenburger und das Gesinde agieren lässt. Hinzu erfunden sind Komikerrollen des Baron Schwips und des Ritters Bendix, die sich um den Zeremonienmeister mit Narren-Rolle gruppieren, der in einem Riesen-Damenschuh sitzt (Ausstattung Roy Spahn).
Reichlich karikaturistisch der Auftritt des berühmten Schauspielers Iffland. Hervorragend die Leistungen des künstlerischen Hauptträgers Landestheater Neustrelitz und der Neubrandenburgischen Philharmonie unter Stefan Malzew sowie die Choreografie von Henning Paar. Die Darsteller-Massen sind bis zum Schlussfeuerwerk, bei dem merkwürdigerweise das Dach der Schlossattrappe brennt (wie 1945 das Original, von dem ein Arbeitsloser in bewundernswürdiger sechsjähriger Fleißarbeit ein Modell soeben beendet hat und zeigt), imponierend geführt.
Vier Sängerdarsteller ragen heraus: Tonje Haugland (Luise), Katharina Wingen (Schwester Friederike), Stefan Livland (Kronprinz) und Hardy Lang (dessen Bruder Louis). So wie 2001 Dagmar Frederic Gast als Gräfin Voss war, ist es diesmal zu seinem 50. Bühnenjubiläum der einst hier engagierte Peter Wieland als Großherzog, der in der langen Pause überdies an der Orangerie in seinem heutigen Metier auftritt. Auch Goethes Mutter kommt vor - was Operette so alles vereinahmt!

Bis 18. 7. insgesamt 16 Vorstellungen, nächste 25. 6., 15 Uhr. Weiter je ein Konzert der Philharmonie mit Feuerwerk und Jugend-Sinfonieorchester. 2. Sonderzug aus Berlin 19. 7., am 11. 7. zur Nachmittags-Vorstellung aus Schwerin.
Tel. 03981-23930, Fax -441762,
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