Sichere Mutterschaft in weiter Ferne

Reiche Staaten versagen zugesagte Mittel

  • Von Susanne Götze
  • Lesedauer: ca. 1.5 Min.

Zehn Jahre nach dem Weltbevölkerungsgipfel in Kairo ist die Müttersterblichkeit nur um zehn Prozent zurückgegangen. Die Staaten des Nordens kommen ihren Verpflichtungen nicht nach.

Die Bilanz ist mager. Die Müttersterblichkeit sei in den letzten zehn Jahren nur um zehn Prozent zurückgegangen, erklärte Tomris Türmen, Vertreterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), auf der Konferenz »Sichere Mutterschaft - zehn Jahre nach Kairo«. Vertreter von Entwicklungsorganisationen, Kreditinstituten und Nichtregierungsorganisationen kamen am Mittwoch letzter Woche zu der Konferenz in Berlin zusammen. Ganz anders die Zielsetzung 1994 in Kairo: Auf dem Weltbevölkerungsgipfel erklärten sich dort 179 Regierungen bereit, die weltweite Müttersterblichkeit während und nach der Schwangerschaft in einem ersten Schritt bis zum Jahr 2000 zu halbieren. Eine weitere Halbierung sollte dann bis zum Jahr 2015 erreicht werden. Industriestaaten und Entwicklungsländer, so einigte man sich damals, sollten sich die Kosten für eine bessere medizinische Versorgung sowie für ein umfassendes Aufklärungs- und Familienplanungsprogramm teilen. Doch mit der finanziellen Unterstützung seitens der Industrieländer sieht es laut France Donnay, Leiterin der Abteilung reproduktive Gesundheit des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), schlecht aus. Donnay betonte, dass Länder wie Deutschland ihren Verpflichtungen nicht ausreichend nachkommen würden. Die Staaten des Nordens, wo Müttersterblichkeit so gut wie kein Thema mehr sei, hätten ihre Zusage, ein Drittel der jährlich anfallenden Kosten von 18,5 Milliarden US-Dollar zu zahlen, leider nicht verwirklicht, so Donnay. Nun komme es darauf an, wenigstens die Entwicklungshilfe die vorhanden sei, besser einzuteilen, forderte Tomris Türmen. »Durch Themen wie Aids und andere schwere Krankheiten tritt die Problematik Müttersterblichkeit in den Hintergrund.« Sie plädiert deshalb für ein besseres Zusammenwirken von Aids- und Familienplanungsprogrammen. Es gehe jetzt schlicht darum, betonte die WHO-Vertreterin, die Regierungen an ihr Versprechen zu erinnern und eine bessere Koordination zu ermöglichen. Beide Sprecherinnen machten deutlich, dass es das erklärte Ziel des Kongresses sei, zu diskutieren, wie die Zahl der 500000 Frauen, die jährlich während oder nach der Schwangerschaft sterben, schnell gesenkt werden könne. Auch Bundesentwicklungsministerin Wieczorek-Zeul erklärte, dass die Verminderung der Müttersterblichkeit eines der wichtigsten internationalen Entwicklungsziele sei. Der Zugang zu Familienplanungsdiensten ist nach Aussage der Ministerin ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit....

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