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  • Kultur
  • „Der Lockvogel“ von Bertrand Tavernier

Räubergesellschaft

„Kann ich Weihnachten wieder zu meiner Oma?“ Eine harmlose, ja liebevoll klingende Frage, doch als Schluß von Taverniers Film trifft sie uns wie ein Peitschenschlag! Denn die sie stellt, die junge Nathalie, enthüllt damit, was das Schockierendste ist an diesem „Lockvogel“- das völlige Fehlen jedes Schuldgefühls, sozusagen die unerträgliche Leichtigkeit des Mordens. Nathalie nämlich steht im Verhör und unter Mordverdacht. Sie hat wohlhabenden Opfern ein Schäferstündchen vorgegaukelt, um so ihren Freunden Eric und Bruno das Terrain für ihre Raubund Mordüberfälle zu ebnen. Das Motiv des Trios? Für eine geplante Boutiquenkette in den USA brauchte man mal eben .ein paat Millionen Francs...

Inszeniert ist das mit kühler Unparteilichkeit, ohne Effekte oder gesteigerte Dramatik, und

die anfangs meist scheiternden Raubzüge der drei haben oft sogar etwas rührend Komisches. Von der Professionalität richtiger Ganoven sind sie noch meilenweit entfernt, kaum zu überbieten aber ist die Skrupellosigkeit, mit der sie sich ihren Platz an der Sonne von Wohlstand und Konsum zu erobern gedenken.

Tavernier hat sich eng an einen authentischen Fall gehalten. Und er läßt keinen Zweifel: Die Opfer dieser Räuber sind Räuber nicht minder. „Du bist, was du konsumierst“-Typen wie Eric & Co., Produkte einer Gesellschaft, in der sogar die Träume sich in Jeans- oder Rolex-Währung rechnen müssen. Wenn die Ideologen der Marktwirtschaft ihn wirklich verständen, wäre „Der Lockvogel“ sicherlich verboten!

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