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EHE Montrealer Nachwäsche

USA setzen ihre Version des Cessna-Abschusses durch Von Leo Burghardt, Havanna

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In Montreal sind die 33 Mitglieder des Rats der Internationalen Organisation für die Zivilluftfahrt (ICAO) zu ihrer Jahrestagung zusammengetreten.

Im Eiltempo müssen sie 20 Themen abarbeiten, darunter eines, das nach dem Stand der Dinge nichts weniger als eine Debatte unter Zeitnot verträgt: Die 36. Verletzung des kubanischen Luftraums innerhalb von 23 Monaten durch Flugzeuge des in Miami ansässigen konterrevolutionären Vereins Hermanos AI Rescate. Diese Verletzung hatte am 24. Februar im Abschuß zweier Cessna-Flugzeuge kulminiert - nach wiederholten Warnungen der kubanischen Seite.

Der ICAO-Rat, der bereits am 30. März Havanna bescheinigte, daß es der Untersuchungskommission alle erforderlichen Materialien (Radaraufzeichnungen, das Original der Gesprächsmitschnitte Pilot-Kontrollturm usw.) zur Verfügung gestellt und Zeugenbefragungen ermöglicht hatte, sollte den Zwischenfall ursprünglich am 6. Mai analysieren. Aber die USA, die Kuba in der UNO - nur auf die Aussage des davongekommenen dritten Piloten gestützt - sofort vehement angegriffen hatten, waren noch nicht soweit. Sie hielten Beweismaterial zurück.

Hundert Tage ließen sie sich Zeit, um am Ende in dem in Montreal vorliegenden Abschlußbericht ihre Version durchzusetzen: Kuba hat die Cessnas im internationalen Luftraum abgeschossen. Die kubanischen Beweismittel blieben indes weitgehend unberücksichtigt. »Es wimmelt in dem Abschlußbericht nur so von Lücken, Lügen, Verdrehungen und Fälschungen«, stellte der Chef der kubanischen Delegation, Alarcön, fest. Die Befürchtung, daß es der Luftfahrtorganisation von Anfang an nicht darum ging, den Fall objektiv zu untersuchen, sondern Kuba zu verurteilen, habe sich bestätigt.

Das erst recht, nachdem der 238 Seiten-Bericht den Ratsmitgliedern erst am

vergangenen Freitag - viel zu spät für eine sachliche Prüfung - zugestellt wurde, und US-Vizeaußenminister Tarnoff und mit ihm der Miami Herold schon am Sonnabend an die Öffentlichkeit gingen, um die Vorverurteilung Kubas perfekt zu machen.

Hat nun der kubanische Delegationsleiter Alarcön in Montreal Gelegenheit, seine Fragen und Einwände vorzubringen? Unter anderem diese: Der afp-Korrespondent Brusa zitierte am 21. Juni einen »US-Funktionär, der anonym bleiben wollte, der auf Radaraufzeichnungen hingewiesen hatte, denen zufolge sich das Flugzeug von Basulto (Boß der Hermanos AI Rescate) am 24. Februar, um 15.22 Uhr Ortszeit, drei Meilen tief im kubanischen Luftraum befand«. Er war entkommen.

Ist es nicht logisch, daß die beiden anderen, denen die Flucht nicht gelang, noch tiefer eingedrungen waren? Warum wurden diese Radaraufzeichnungen nicht in den Bericht aufgenommen? Warum wurde die Übergabe des Papiers zweimal verschoben? Warum saß die Kommission 15 Tage (in Kuba vier Tage) mit US-Funktionären zusammen, wenn der Fall so klar war? Warum wurde als einziger Zeuge Basulto vernommen? Oder- Warum nahm man die Messungen kubanischer Ozeanologen, wonach die Strömung des Golfstroms Trümmer eher aus Küstennähe abtreibt (obgleich sie eben dort herausgefischt wurden), nicht zur »Kenntnis? Oder- Hermanos AI Rescate hatten Flugblätter abgeworfen: Wenn sie, wie fälschlich behauptet, das außerhalb der 12-Meilen-Grenze taten, wieso gingen dann viele von ihnen über der Insel nieder? Flugblätter, die 20 Kilometer weit durch die Luft segeln? Und schließlich: Warum wurde die lange Vor-'geschichte der vielen Verletzungen des kubanischen Luftraums außer acht gelassen?

Der Direktor der Abteilung der Internationalen Luftfahrtorganisation, die mit der Überwachung betraut ist, war immer ein Nordamerikaner. Der Leiter der Untersuchungskommission ist seine rechte Hand. .

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