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Mütterchen mit Krallen

  • Von Irmtraud. Gutschke
  • Lesedauer: 2 Min.

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Ein Mensch in seinem Schmerz: Figur des leidenden Christen auf der Karlsbrücke - die Fotos von Michael Schilhansl aus dem Band »Mein Prag« verraten Sinn fürs Detail und zeigen bekannte Sehenswürdigkeiten nicht selten aus ungewöhnlicher Perspektive.

Der Schriftsteller Ota Filip schrieb den Text. In der Stadt seiner Geburt ist er nur noch Gast, denn seit seiner Verhaftung und Ausbürgerung aus der CSSR 1974 lebt er in

München. Man merkt allerdings, wie genau er die Geschichte und Gegenwart Prags kennt. Das ist nicht etwa nur angelesen, da ist er souverän, da kann er sich ironische Distanz erlauben. »Mütterchen mit Krallen« - so hat Franz Kafka Prag beschrieben, diese Stadt mit ihrem eigenen Charme, Witz und lyrischen Zauber, die dabei eine blutrünstige Geschichte hatte. Detailliert erzählt Ota Filip vom Auf und Ab, wobei ihn eines besonders interessiert: die europäische Tradition. Die Stadt war ja tatsächlich früh schon das, was man heute multikulturell nennen würde. Böhmen, Mähren, Deut-

sche, vor allem auch Juden lebten hier, wobei Ota Filip auch die Spannungen zwischen ihnen benennt. Vielleicht ist seine Vision von der Rückkehr Prags nach Westeuropa etwas zu rosig. Es war gut, daß der Verlag dem Band ein Gedicht von Petr Kabes und vor allem auch den eindrucksvollen Text von Jindriska Smetanovä beifügte, die mit leichter Wehmut die heutigen Veränderungen im Prager Kolorit betrachtet. Denn die Karlsbrücke ist schon längst nicht mehr das, was sie mal war

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