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Gefragt ist mehr kritische Vernunft

Die große Kunst besteht nun darin, Mathematik so zu lehren, daß die Schüler sie tatsächlich als Bereicherung ihres geistigen Horizonts erfahren. »Was wir um jeden Preis vermeiden sollten«, schrieb der englische Philosoph Alfred N. Whitehead, »ist die sinnlose, nirgends hinführende Anhäufung von (mathematischen) Einzelheiten.« Vielmehr komme es darauf an, rational-logisches Denken zu vermitteln, Denn entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil ist Mathematik keine »esoterische« Beschäftigung für Auser-

wählte. Jeder Mensch ist mathematisch begabt!

Auch Heymann betont, daß dabei keine qualitativ neue Art des Denkens notwendig sei. Nur dürfe die Mathematik nicht als gleichsam fertiges System gelehrt werden. Es ist wie mit dem Pauken von Vokabeln, deren Kenntnis beileibe nicht ausreicht, um eine Fremdsprache zu beherrschen. Auch mathematische Sachverhalte macht man am besten dadurch verständlich, daß man sie in jene lebendigen Handlungen zurückverwandelt, aus denen sie entsprungen sind. Längst sind auch mir die meisten Formeln aus dem Unterricht entfallen. Geblieben ist jedoch die dabei erlernte Art und Weise des Denkens, die mir in vielen Lebenslagen behilflich war

Die Schüler werden nur dann Spaß an Mathematik haben, wenn sie darin einen Sinn erkennen, resümiert Heymann am Ende seines lesenswerten Buches. Wohl wahr, denn etwas mehr kritische Vernunft könnte unsere Gesellschaft gut vertragen. Wie sagte der deutsche Mathematiker und Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz so schön: »Ohne die Mathematik dringt man niemals auf den Grund der Philosophie. Ohne die Philosophie dringt man niemals auf den Grund der Mathematik. Ohne beide kommt man auf den Grund von gar nichts.«

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