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Wer zahlt die Zeche?

Von Eva-Maria Stange

Die Autorin ist Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Politische Parolen und politisches Handeln sind zwei Paar Schuhe. Das beweisen gerade wieder einmal die Bundesländer. Vor einem Jahr hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) eine Werbekampagne für den Lehrerberuf gestartet. Hintergrund: Bis zum Jahr 2015 wird die Hälfte der Lehrkräfte an den Schulen pensioniert. 371000 Lehrer sollen in diesem Zeitraum neu eingestellt werden. Rosige Zeiten also für künftige Lehrkräfte? Weit gefehlt! Die Länder stellen viel weniger Lehrkräfte ein, als notwendig wären, um allein die ausscheidenden zu ersetzen. In diesem Schuljahr haben über 8000 Lehrerinnen und Lehrer weniger ein Angebot erhalten, als von der KMK prognostiziert. Rund 35000 Kolleginnen und Kollegen haben keine Stelle bekommen. Lehrermangel trotz Lehrerarbeitslosigkeit. Die Zeche dieser verfehlten Einstellungspolitik zahlen die Pädagogen, die zurzeit an den Schulen unterrichten: Immer mehr Kinder werden in ihre Klassen gesteckt, und gleichzeitig wird ihnen die Arbeitszeit erhöht. Besonders fatal ist, dass die KMK-Kampagne mehrere Jahre zu spät kommt: Seit 2003 haben wieder mehr junge Menschen als in den Jahren zuvor ein Lehramtsstudium begonnen. Viele werden nach ihrer Ausbildung vor verschlossenen Schultüren stehen. Diese von den Finanzministern diktierte Strategie ist auch aus pädagogischen Gründen absurd. Die Länder verspielen die Chance, bei rückläufigen Schülerzahlen zusätzliche Ressourcen für qualitative Verbesserungen in den Schulen zu gewinnen. Dieses Personal wird beispielsweise für Ganztagsschulen oder die individuelle Förderung der Schüler benötigt. Dass es hier dringenden Handlungsbedarf gibt, wissen wir spätestens, seitdem die für das deutsche Bildungswesen verheerenden Ergebnisse der Schulleistungsstudie PISA vorliegen. Katastrophal ist die Einstellungssituation in den östlichen Bundesländern. Trotz des Einstellungskorridors, den die Lehrkräfte im Rahmen der Teilzeitstellenprogramme selbst erwirtschaftet haben, erhielten in den fünf Ländern nur 1050 Lehrerinnen und Lehrer eine Stelle. Jetzt droht eine ähnliche Überalterung der Kollegien, wie wir sie aus den westlichen Bundesländern kennen. Zudem steuern wir sehenden Auges auf einen Lehrermangel zu, weil sich künftig immer weniger junge Menschen mit Blick auf die aktuell schlechten Einstellungschancen für den Lehrerberuf entscheiden werden und die Leh...

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