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Eiskalt erschießen

Kaum Solidarität mit Kolumbien im DGB

Weil in kolumbianischen Coca-Cola-Auftragsfirmen Gewerkschafter ermordet werden, versuchen sich europäische Gewerkschaftslinke an einem Coca-Cola-Boykott. ND sprach mit Edgar Paez, dem internationalen Sprecher der betroffenen Lebensmittelgewerkschaft »Sinaltrainal«.

ND: Edgar Paez, wer ist die Gewerkschaft Sinaltrainal?
Paez: Sinaltrainal wurde vor zehn Jahren von Arbeitern gegründet, die überwiegend in Abfüllfabriken beschäftigt waren, die der Coca-Cola-Konzern nutzte. Seitdem werden Mitglieder bedroht, verfolgt, ermordet. Nach langen Bemühungen von Gewerkschaftern stehen die Praxis internationaler Unternehmen und kolumbianischer Behörden jetzt aber in der Kritik.

Nun starten Sie und andere Initiativen eine Kampagne gegen Coca-Cola. »Eiskalt erschießen« heißt es in Anspielung auf einen bekannten Coca-Cola-Werbeslogan auf den Plakaten.
Ich bin deswegen seit Wochen in Europa unterwegs, unter anderem war ich auf dem Europäischen Sozialforum in London, habe in Berlin auf Veranstaltungen gesprochen und werde nach Italien reisen. Dort gibt eine Boykottstimmung gegen den Konzern. In einigen öffentlichen Einrichtungen Roms gibt es keine Coca-Cola-Produkte mehr.

In Rom wollen Sie an einem Treffen internationaler Nahrungsmittelgewerkschafter teilnehmen. Haben sich die Beziehungen zur deutschen NGG verbessert?
Nicht wesentlich. Der deutsche Gesamtbetriebsrat bei Coca-Cola hat unsere Arbeit öffentlich kritisiert. Es sei unklar, wie sich Sinaltrainal finanziere. Trotzdem sind viele Kollegen engagiert, beispielsweise Aldo Dessi von der italienischen Gewerkschaft FLAI. In vielen Ländern gibt es inner- und außergewerkschaftliche Initiativen. In Irland wurde beispielsweise von Studenten darüber abgestimmt, ob Coca-Cola-Produkte an Universitäten angeboten werden sollen. Dass Gewerkschafter in Kolumbien Verfolgungen ausgesetzt sind, ist inzwischen bekannt. Mittlerweile fordern auch Europa-Abgeordnete, auf Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien schärfer zu reagieren. Wie im Falle von Luz Perly Córdoba, die als Präsidentin einer Landarbeitergewerkschaft im Februar wegen angeblicher Terror-Kontakte verhaftet wurde.

Gibt es in Kolumbien Solidarität mit politischen Gefangenen aus der Gewerkschaftsbewegung?
Ja. Das größte Problem ist aber die staatliche Repression. Für paramilitärische Mörder gibt es quasi Straffreiheit. Der Staat bezahlt Zeugen für Verhandlungen gegen Gewerkschafter. In einigen Fällen hat derselbe »Zeuge« in dreißig Verfahren ausgesagt. Heute werden nicht mehr ganz so viele Kollegen ermordet, aber umso mehr sitzen in Gefängnissen oder müssen ins Exil. Die internationalen Delegationen nach Kolumbien, auch aus Deutschland, sind weiterhin wichtig.
Ein Sinaltrainal-Mitglied ist seit über einem Jahr in den USA. Die dortige Gewerkschaft United Steelworkers hat Sinaltrainal auch in einem Prozess gegen den Coca-Cola-Konzern unterstützt.
Die United Steelworkers sind nach wie vor solidarisch, auch wenn sie sich nicht am Boykott gegen Coca-Cola beteiligen. Den lehnt übrigens auch die NGG ab. Gleichzeitig hat die Internationale Lebensmittel Union - in der auch die NGG organisiert ist - Sinaltrainal die Aufnahme verweigert.

Sie sind seit einem Jahr aber Ehrenmitglied des NGG-Landesverbandes Saar. Hat sich seitdem etwas geändert?
Kaum. Die Internationale Lebensmittel Union hat sich mehrfach unsolidarisch gegen uns gewandt. Sinaltrainal ist als unwichtig und unseriös abgetan worden. Bis sich diese Positionen nicht ändern, können wir nicht Mitglied werden.

Fragen: Hannes HeineND: Edgar Paez, wer ist die Gewerkschaft Sinaltrainal?
Paez: Sinaltrainal wurde vor zehn Jahren von Arbeitern gegründet, die überwiegend in Abfüllfabriken beschäftigt waren, die der Coca-Cola-Konzern nutzte. Seitdem werden Mitglieder bedroht, verfolgt, ermordet. Nach langen Bemühungen von Gewerkschaftern stehen die Praxis internationaler Unternehmen und kolumbianischer Behörden jetzt aber in der Kritik.

Nun starten Sie und andere Initiativen eine Kampagne gegen Coca-Cola. »Eiskalt erschießen« heißt es in Anspielung auf einen bekannten Coca-Cola-Werbeslogan auf den Plakaten.
Ich bin deswegen seit Wochen in Europa unterwegs, unter anderem war ich auf dem Europäischen Sozialforum in London, habe in Berlin auf Veranstaltungen gesprochen und werde nach Italien reisen. Dort gibt eine Boykottstimmung gegen den Konzern. In einigen öffentlichen Einrichtungen Roms gibt es keine Coca-Cola-Produkte mehr.

In Rom wollen Sie an einem Treffen internationaler Nahrungsmittelgewerkschafter teilnehmen. Haben sich die Beziehungen zur deutschen NGG verbessert?
Nicht wesentlich. Der deutsche Gesamtbetriebsrat bei Coca-Cola hat unsere Arbeit öffentlich kritisiert. Es sei unklar, wie sich Sinaltrainal finanziere. Trotzdem sind viele Kollegen engagiert, beispielsweise Aldo Dessi von der italienischen Gewerkschaft FLAI. In vielen Ländern gibt es inner- und außergewerkschaftliche Initiativen. In Irland wurde beispielsweise von Studenten darüber abgestimmt, ob Coca-Cola-Produkte an Universitäten angeboten werden sollen. Dass Gewerkschafter in Kolumbien Verfolgungen ausgesetzt sind, ist inzwischen bekannt. Mittlerweile fordern auch Europa-Abgeordnete, auf Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien schärfer zu reagieren. Wie im Falle von Luz Perly Córdoba, die als Präsidentin einer Landarbeitergewerkschaft im Februar wegen angeblicher Terror-Kontakte verhaftet wurde.

Gibt es in Kolumbien Solidarität mit politischen Gefangenen aus der Gewerkschaftsbewegung?
Ja. Das größte Problem ist aber die staatliche Repression. Für paramilitärische Mörder gibt es quasi Straffreiheit. Der Staat bezahlt Zeugen für Verhandlungen gegen Gewerkschafter. In einigen Fällen hat derselbe »Zeuge« in dreißig Verfahren ausgesagt. Heute werden nicht mehr ganz so viele Kollegen ermordet, aber umso mehr sitzen in Gefängnissen oder müssen ins Exil. Die internationalen Delegationen nach Kolumbien, auch aus Deutschland, sind weiterhin wichtig.
Ein Sinaltrainal-Mitglied ist seit über einem Jahr in den USA. Die dortige Gewerkschaft United Steelworkers hat Sinaltrainal auch in einem Prozess gegen den Coca-Cola-Konzern unterstützt.
Die United Steelworkers sind nach wie vor solidarisch, auch wenn sie sich nicht am Boykott gegen Coca-Cola beteiligen. Den lehnt übrigens auch die NGG ab. Gleichzeitig hat die Internationale Lebensmittel Union - in der auch die NGG organisiert ist - Sinaltrainal die Aufnahme verweigert.

Sie sind seit einem Jahr aber Ehrenmitglied des NGG-Landesverbandes Saar. Hat sich seitdem etwas geändert?
Kaum. Die Internationale Lebensmittel Union hat sich mehrfach unsolidarisch gegen uns gewandt. Sinaltrainal ist als unwichtig und unseriös abgetan worden. Bis sich diese Positionen nicht ändern, können wir nicht Mitglied werden.

Fragen: Hannes Heine

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