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Symptome von Stress

  • Von Joachim Bischoff
  • Lesedauer: ca. 1.5 Min.
Die larmoyante Debatte über eine tarifliche Vorzugsbehandlung für Gewerkschaftsmitglieder ist nur Ausdruck des Symptomstresses. Die Gewerkschaften verlieren Mitglieder, obwohl die Bedrohung des Lebensstandards und der sozialen Rechte für den Großteil der Bürger offenkundig ist. Nicht nur bei den Konflikten in den großen Kapitalgesellschaften geht es um die Formel »Arbeitsplatzsicherheit für einige Jahre gegen Lohnverzicht«. Das Triumphgeheul der Unternehmensvertreter ist bis in den letzten Winkel der Berliner Republik zu hören; Beispiel Georg Braun (DIHT): »Für die deutschen Arbeitnehmer vollzieht sich gerade ein Paradigmenwechsel. Jahrelang ging es um kürzere Arbeitszeiten, höhere Einkünfte, längeren Urlaub, Frühverrentung und andere Verbesserungen. Jetzt geht es in die andere Richtung.« Dazu gehört, dass die Konzerne und ihre politischen Alliierten sich so stark fühlen, die Mitbestimmung, die Tarifautonomie und die Gewerkschaften selbst in Frage zu stellen. Die Gewerkschaften sind froh nach harten Kämpfen, möglichst mit einem Unentschieden wieder in die Montagehallen zu kriechen. Freude kommt auf angesichts der vielen Besserwisser, die von der ruhigen Insel zum gnadenlosen Kampf aufrufen. Diese steigert sich weiter, wenn trotz der harten Bedrohung und der zugespitzten Konflikte weitaus mehr Mitglieder die Ausweise hinschmeißen, als angesichts der anhaltenden Arbeitsplatzverluste und der Blüte von ungeschützten Beschäftigungsverhältnissen zu erwarten wäre. In dieser Situation kommt schon mal bei einigen Aktivisten die Idee hoch, über eine Verzugsbehandlung von Mitgliedern die eigenen Reihen zu stärken. So gibt es in einigen Kleinbetrieben von Nordrhein-Westfalen unter bestimmten Bedingungen Sonderrechte für Gewerkschaftsmitglieder. Der IG-Metall-Chef dieses Bezirks erklärt: »Wir sehen nicht mehr ein, dass unsere Mitglieder genau so behandelt werden wie die Beschäftigten, die dazu gar nichts beigetragen haben.« Sofort bricht eine letztlich nebensächliche Debatte los, die letztlich den Gewerkschaften weiter schadet. Denn: Rein rechtlich kann es keine Sonderrechte geben. Ferner: Eine Vorzugsbehandlung löst nicht die Probleme um die verschärften Verteilungskonflikte. Die Gewerkschaften kommen nur durch zähen Widerstand, begleitet von politischen Alternativen gegen den neolib...

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