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Zuhause für Aids-Kranke

Über 2400 Menschen mit HIV-Infektionen und Aids haben in Berlin durch die Hilfe einer gGmbH mit dem Namen ZIK (zu Hause im Kiez) eine Heimat gefunden. ZIK hilft Betroffenen, trotz der Beschränkungen durch die Krankheit, im gewohnten Umfeld bleiben zu können.
Conny Wolff ist 31Jahre alt und lebt seit 4Jahren in einer Einzelwohnung in der Reichenberger Straße 129/130 in Kreuzberg. Hier stehen insgesamt 151Plätze für das betreute Wohnen zur Verfügung. Vor vier Jahren wurde festgestellt, dass Conny HIV-positiv ist. Damals ging es ihm sehr schlecht. Die Ärzte glaubten zuerst an einen Gehirntumor. Da Conny aus Prenzlau/Uckermark stammt, kam er zuerst ins Krankenhaus Eberswalde, von da in die Berliner Charité und schließlich ins Auguste-Victoria-Krankenhaus in Berlin. Hier erfährt er nach der Diagnose Aids auch von dem Projekt »Betreutes Wohnen«. Conny ist kein Mensch großer Worte, aber man spürt, dass er sich hier wohl fühlt. Momentan geht es ihm auch recht gut, er nimmt weniger Medikamente als früher. An vier Tagen in der Woche arbeitet der gelernte Landwirt wieder auf einem Bauernhof in Kremmen. Am Wochenende fährt er Fahrrad und baut Panzer und Trucks aus Bausätzen. Conny lobt das Essen, das er und seine Mitbewohner täglich für 2,70 Euro in der Orangerie ihrer Wohnanlage erhalten. Hier trifft er viele mittlerweile gute Bekannte. Einer davon ist Louis, ein gebürtiger Brasilianer. Er war der erste Bewohner in der Reichenberger Straße. Louis geht es gesundheitlich sehr schlecht. Außerdem hat er psychosomatische Probleme. Er ist froh, hier zu wohnen, wo er jederzeit mit professioneller Hilfe rechnen kann. Wie wichtig es ist, auch hier zu Lande in der Aids-Prävention nicht nachzulassen, zeigt der leichte Anstieg der in den letzten Jahre konstant gebliebenen Neuinfektionen. Trotz sehr guter Medikamente sterben jährlich immer noch 600Menschen an der gefürchteten Immunschwächekrankheit. Gerade weil Aids-Betroffene auch auf eine ständige psychosoziale Begleitung und bedarfsgerechte pflegerische Versorgung angewiesen sind, haben betreute Wohnprojekte eine immense Bedeutung. Ein eigenes Zuhause gibt den Infizierten psychische Kraft und Würde, mit ihrer schweren Krankheit zu leben. Die Deutsche Aids-Stiftung fördert solche Projekte und hat seit ihrer Gründung im Jahr 1987 über 50000 Mal Hilfe in materieller Not geleistet. In der Reichenberger Straße 129 können sich die Erkrankten rund um die Uhr auf professionelle Pflege verlassen - wenn nötig bis zur letzten Lebensphase. Elfi Schramm

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