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Starke Bohne unter Beschuss

Die starke Bohne feuert nicht nur, sie steht auch immer wieder unter Beschuss. Griechische Wissenschaftler erklärten, dass Kaffee die Menge von so genannten Entzündungswerten erhöht und so Herzkrankheiten begünstigt.
Kaffee geht ans Herz, im Guten wie im medizinisch bisweilen Bedenklichen. Zum einen beflügelt er die Sinne, mobilisiert Körper und Geist und lässt den beginnenden Tag akzeptabel erscheinen. Zum anderen kann der Genießer bei höheren Dosen Herzrasen, Zittrigkeit, hohen Blutdruck, unter Umständen auch Angstanfälle bekommen. Der Teufel, der dieses alles in Gang zu versetzen vermag, steckt im Kern der Kaffeebohne. Es ist das Koffein. Etwa 160LiterKaffee trinkt der Durchschnittsdeutsche im Jahr. Manche Menschen behaupten, sie seien süchtig danach. Ohne die tägliche Ration kann es bereits zu Entzugserscheinungen in Form von Kopfschmerzen oder sogar Depressionen kommen. Das Gelüst nach dem aromatischen Getränk ist natürlich leicht zu befriedigen - ein Grund mehr, über eventuelle gesundheitsschädliche Wirkungen gar nicht erst nachzudenken. Doch bevor wir dem Verdacht der Gesundheitsschädigung nachgehen, sollten wir dem Kaffee erst einmal die Möglichkeit einräumen, sich vorzustellen. Was passiert im Körper nach dem »Schälchen Heeßen«, wie die Sachsen, Deutschlands kenntnisreichste Kaffeeschlürfer, ihr Lieblingsgetränk nennen? Wenige Minuten nach dem Kaffeegenuss gelangt das Koffein in die Blutbahn und wirkt dort sehr aufregend. Es verbessert die Durchblutung und aktiviert das zentrale Nervensystem. Wasser wird schneller ausgeschieden und der Stoffwechsel angekurbelt, was auch der Verdauung zugute kommt. Koffein erhöht die Aufmerksamkeit; es steigert Konzentrationsfähigkeit und Leistung. Nach rund 40 Minuten ist der Höhepunkt all dieser Wirkungen erreicht. So schnell, wie das gelöste Koffein in den Blutkreislauf gelangt, wird es auch wieder abgebaut. Viel Zeit bleibt also nicht. Denn wer glaubt, die Leistungssteigerung stehe in direkter Relation zum Kaffeekonsum, wird enttäuscht. weil er genau den gegenteiligen Effekt beobachten kann: Müdigkeit und Abgeschlafftheit. Es scheint also zweckmäßig, kleine Schlückchen Kaffee über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Empfohlen wird auch, zu einer Tasse Kaffee immer ein Glas Wasser zu reichen. Griechische Wissenschaftler fanden allerdings heraus, dass Kaffee die Menge von Entzündungsbotenstoffen steigert und so Herzkrankheiten begünstigen könnte. Die Forscher sehen einen ursächlichen Zusammenhang zwischen hohem Kaffeekonsum und den bei einer Entzündung gebildeten Substanzen. Um diese Vermutung mit Fakten zu untermauern, befragten sie 3000 Freiwillige zu deren Ernährungsgewohnheiten und untersuchten anschließend deren Blutproben. Die Entzündungswerte der Probanden, die jeden Tag mehr als 200Milliliter Kaffee zu sich nahmen, waren gegenüber den Vergleichspersonen deutlich erhöht. Ob das alles so heiß geschluckt werden muss, wie es gekocht wurde, bleibt hingegen noch abzuwarten. Kardiologen, die mit dieser Untersuchung konfrontiert wurden, geben zu bedenken, dass es bei den hochkomplexen biochemischen Vorgängen im Körper sehr schwierig sei, eine direkte Korrelation zwischen dem Kaffeegenuss und Herzerkrankungen nachzuweisen. Sollte sich der Kaffeetrinker mit einer Tasse pro Tag bescheiden? Die Antwort steht noch aus. Hoffen wir mit ihm auf ein moderates Ergebnis. Dagmar Gleim
KOFFEIN - Koffein ist ein Alkaloid mit der chemischen Bezeichnung Trimethylxanthin. Das ist eine Stickstoffverbindung mit schmerzlindernder, krampflösender und betäubender Wirkung, wie sie z.B. auch in Morphin und Kokain zu finden ist. Nach der Koffeinzufuhr nimmt die Kontraktionshöhe sowie der Tonus (Grad der Anspannung) der Herzmuskulatur zu, die Leistungsfähigkeit des Herzens steigt, Herz-, Hirn- und Nierengefäße werden erweitert und die Gewebe besser durchblutet. Das Koffein im Kaffee ist an Kalium gebunden. Diese Bindung wird im Magen schlagartig gelöst und gerät bereits wenige Minuten nach dem Schluck sturzartig in die Blutbahn, wo es seine volle Kraft entwickeln kann. Ganz anders verhält es sich beim Tee. Dort gerät das Koffein auf Grund einer Doppelfunktion der Gerbstoffe nur langsam und allmählich ins Blut. Eine Tasse Kaffee (á 150 ml) enthält 100, eine Tasse Tee 50, eine Tasse Kakao 5, 100 Gramm Halbbitterschokolade 90, 100 Gramm Vollmilchschokolade 15, 333 Milliliter Cola 40 und ein »energy drink« 80 Milligramm Koffein.

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