Politik muss sich ändern

Nicaragua hat kein Geld für Gesundheitssystem

Die gebürtige US-Amerikanerin María Hamlin Zúniga ist Gesundheitsaktivistin in Zentralamerika.

ND: Sie nehmen gerade an dem zehnten Kongress »Armut und Gesundheit« in Berlin teil. Wie sieht die Gesundheitsversorgung heute in Nicaragua aus?
Zúniga: Es ist eine Katastrophe. Seit der Gesundheitsreform nach dem Regierungswechsel 1999 ging es bergab. Das liegt vor allem an den Bedingungen, die Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) nach dem Ende der sandinistischen Regierung erzwungen haben. Innerhalb einer Woche haben sie unzählige Programme gestrichen.

Was ist das größte Problem?
Die Dezentralisierung der Gesundheitsprogramme. Die kann nämlich nur funktionieren, wenn genügend Geld für Planung und Durchführung da ist. Das ist in Nicaragua nicht der Fall. Die Menschen zahlen die Gesundheitsleistungen und Medikamente selbst. Das ist Privatisierung und die widerspricht der Verfassung, nach der es eine kostenlose und allumfassende Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung geben soll. Aber die Realität sieht anders aus.

Hat sich die Lage unter Präsident Enrique Bolaños verändert?
Nein. Die schlimmste Zeit war aber die unter Arnoldo Alemán. Er hat einfach alles gestohlen. Bolaños stiehlt nicht, aber er verhandelt auch nicht. Er bewegt sich einfach widerstandslos auf Linie der USA.

Was muss passieren?
Die Politik müsste sich ändern. Die meisten Menschen in Nicaragua haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung und Medikamenten. Im Norden und Osten ist die Kindersterblichkeit extrem hoch. In einigen Regionen kommen 122 tote Kinder auf 1000 Geburten. Ein anderes Problem ist Unterernährung. Die Menschen haben einfach kein Geld für drei Mahlzeiten am Tag.

Welche großen Initiativen setzen sich für eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung ein?
In Nicaragua sind mehr als 300 verbraucherorientierte Organisationen Teil eines Netzwerkes, das 1998 nach den Verwüstungen durch den Hurrican Mitch aufgebaut wurde. Darin gibt es eine Gesundheitskommission. Sie überwacht die nationale Verteilung der Gelder im Gesundheitsbereich.

Hat das Netzwerk politisches Gewicht?
Es wird von Banken und Geldgebern, auch von anderen Regierungen sehr wohl wahrgenommen. Aber die Menschen glauben nicht mehr an die Politik. Die Bevölkerung in Nicaragua ist sehr jung, etwa 67 Prozent sind unter 25 Jahre. Viele engagieren sich selbst, um die Probleme in ihrer Gesellschaft zu lösen.

Bei der Gemeindewahl im November haben die Sandinisten die verlorene Mehrheit zurückerobert. Wird sich dieser Sieg auf die Gesundheitsversorgung auswirken?
Nein. Nur weil die Sandinisten eine Gemeindewahl gewonnen haben, haben wir auf Gemeindeebene noch keine Gelder für eine bessere Gesundheitsversorgung.

Glauben Sie, dass ein Regierungswechsel 2006 einschneidende Veränderungen bringt?
Das hängt mehr davon ab, wer im Weißen Haus sitzt und auch davon, ob unsere Regierung den Willen hat zu verhandeln - mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Nur so kann die Privatisierungswelle aufgehalten werden.

Fragen: Stephanie ZeilerND: Sie nehmen gerade an dem zehnten Kongress »Armut und Gesundheit« in Berlin teil. Wie sieht die Gesundheitsversorgung heute in Nicaragua aus?
Zúniga: Es ist eine Katastrophe. Seit der Gesundheitsreform nach dem Regierungswechsel 1999 ging es bergab. Das liegt vor allem an den Bedingungen, die Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) nach dem Ende der sandinistischen Regierung erzwungen haben. Innerhalb einer Woche haben sie unzählige Programme gestrichen.

Was ist das größte Problem?
Die Dezentralisierung der Gesundheitsprogramme. Die kann nämlich nur funktionieren, wenn genügend Geld für Planung und Durchführung da ist. Das ist in Nicaragua nicht der Fall. Die Menschen zahlen die Gesundheitsleistungen und Medikamente selbst. Das ist Privatisierung und die widerspricht der Verfassung, nach der es eine kostenlose und allumfassende Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung geben soll. Aber die Realität sieht anders aus.

Hat sich die Lage unter Präsident Enrique Bolaños verändert?
Nein. Die schlimmste Zeit war aber die unter Arnoldo Alemán. Er hat einfach alles gestohlen. Bolaños stiehlt nicht, aber er verhandelt auch nicht. Er bewegt sich einfach widerstandslos auf Linie der USA.

Was muss passieren?
Die Politik müsste sich ändern. Die meisten Menschen in Nicaragua haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung und Medikamenten. Im Norden und Osten ist die Kindersterblichkeit extrem hoch. In einigen Regionen kommen 122 tote Kinder auf 1000 Geburten. Ein anderes Problem ist Unterernährung. Die Menschen haben einfach kein Geld für drei Mahlzeiten am Tag.

Welche großen Initiativen setzen sich für eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung ein?
In Nicaragua sind mehr als 300 verbraucherorientierte Organisationen Teil eines Netzwerkes, das 1998 nach den Verwüstungen durch den Hurrican Mitch aufgebaut wurde. Darin gibt es eine Gesundheitskommission. Sie überwacht die nationale Verteilung der Gelder im Gesundheitsbereich.

Hat das Netzwerk politisches Gewicht?
Es wird von Banken und Geldgebern, auch von anderen Regierungen sehr wohl wahrgenommen. Aber die Menschen glauben nicht mehr an die Politik. Die Bevölkerung in Nicaragua ist sehr jung, etwa 67 Prozent sind unter 25 Jahre. Viele engagieren sich selbst, um die Probleme in ihrer Gesellschaft zu lösen.

Bei der Gemeindewahl im November haben die Sandinisten die verlorene Mehrheit zurückerobert. Wird sich dieser Sieg auf die Gesundheitsversorgung auswirken?
Nein. Nur weil die Sandinisten eine Gemeindewahl gewonnen haben, haben wir auf Gemeindeebene noch keine Gelder für eine bessere Gesundheitsversorgung.

Glauben Sie, dass ein Regierungswechsel 2006 einschneidende Veränderungen bringt?
Das hängt mehr davon ab, wer im Weißen Haus sitzt und auch davon, ob unsere Regierung den Willen hat zu verhandeln - mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Nur so kann die Privatisierungswelle aufgehalten werden.

Fragen: Stephanie Zeiler

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