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Ebenezer Scrooge lässt grüßen

Von Olaf Standke

Nie war die Welt wohlhabender, dennoch geben die reichen Nationen immer weniger. Das ist das ernüchternde Fazit der internationalen Hilfsorganisation Oxfam am Ende dieses Jahres. In Zahlen ausgedrückt: Leisten die Industriestaaten gemessen am Volkseinkommen nur noch halb so viel Entwicklungshilfe wie in den 60er Jahren, hat sich ihr Wohlstand seitdem verdreifacht. Mehr noch: Die armen Länder müssen inzwischen 100 Millionen Dollar pro Tag für ihre Verbindlichkeiten aufbringen. Für jeden Dollar, den sie an Entwicklungshilfe erhalten, zahlen sie 1,44 Dollar an Schuldendienst zurück. 1970 einigten sich die reichen Länder darauf, 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe zu verwenden. Nicht einer der G7-Staaten hat diese Vorgabe erfüllt. Dabei hat sich die Lage für den armen Süden durch den Anti-Terrorkampf noch weiter verschlechtert. Im Vorjahr gaben die Industrieländer 68 Milliarden Dollar für Entwicklungshilfe aus - fast doppelt so viel wird benötigt, um armutsbedingten Krisen und Konflikten vorzubeugen. Weltweit sind dagegen die Rüstungsausgaben gestiegen - auf 956 Milliarden Dollar. Auch Deutschland macht allen rot-grünen Sonntagsreden zum Trotz keine Ausnahme. Die Entwicklungshilfe 2004 beträgt gerade einmal 3,74 Milliarden Euro, der Verteidigungsetat rund 24 Milliarden. Vom Anti-Terror-Programm der Bundesregierung, das 1,53 Milliarden Euro umfasst, ging rund die Hälfte an die Bundeswehr, an das Entwicklungshilferessort nur 102 Millionen. Eine dauerhafte friedliche Entwicklung aber erfordert auch einen hohen und langfristigen Einsatz nicht-militärischer Mittel. Die globalen Millenniumsziele der Vereinten Nationen jedenfalls werden meilenweit verfehlt, falls die weltweite Entwicklungshilfe nicht wenigstens um 50 Milliarden Dollar erhöht und die Schulden der ärmsten Länder erlassen werden. Geizhals Ebenezer Scrooge aus Dickens' »Weihnachtsmärchen« i...

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