Der »Elefant« liegt gut im Rennen

Bei den Präsidentenwahlen in Ghana ist Amtsinhaber Kufuor trotz mancher Kritik Favorit

  • Von Martin Ling, Accra
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Der damalige ghanaische Oppositionsführer John Agyekum Kufuor versprach 2000 nach 20 Jahren Regentschaft von Jerry John Rawlings einen Wandel und gewann die Wahl. Viel ist aus dem Versprechen nicht geworden, dennoch darf der liberalkonservative Präsident heute mit einem erneuten Wahlsieg rechnen.

Kufuor Nie, Osono Nie! Was sich auf Deutsch wie eine simple Wahlbotschaft politischer Gegner anhört, heißt in der ghanaischen Hauptverkehrssprache Akan: Das ist Kufuor, das ist der Elefant! Mit diesem um Kufuors Konterfei und dem Parteilogo der regierenden Neuen Patriotischen Partei (NPP) komplettierten Wahlspot sollen nicht zuletzt die des Lesens Unkundigen zum »richtigen« Daumendruck bei den heutigen Präsidentschaftswahlen angehalten werden. John Agyekum Kufuor ist der seit dem 7. Januar 2001 amtierende Präsident, der Elefant das Symbol der NPP, die vor vier Jahren 99 der 200 Parlamentssitze errang. Vor allem im ländlich geprägten Norden, wo 45 Prozent der Erwachsenen als Analphabeten gelten, ging 2000 manch Fingerabdruck daneben. Davon profitierte insbesondere der oben auf dem Wahlzettel stehende Außenseiter Dan Lartey. Diesmal steht Edward Mahama vom Nationalen Konvent des Volkes (PNC) an oberster Stelle und hofft auf Stimmenzuwachs. Mit dem Wahlausgang wird Mahama indes so wenig zu tun haben wie George Aggudey von der Volkskonventpartei (CPP), die einst vom legendären Staatsgründer und Unabhängigkeitshelden Kwame Nkrumah aus der Taufe gehoben wurde. Schließlich sind die meisten Ghanaer durchaus gut gebildet und informiert über das politische Geschehen in Ghana und darüber hinaus. Und sie lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass es trotz der vier Kandidaten wie 2000 zum sprichwörtlichen »Zwei-Pferde-Rennen« kommen wird: Kufuor gegen John Evans Atta Mills vom sozialdemokratischen Nationaldemokratischen Kongress (NDC), der 1992 von Rawlings gegründet wurde und seit 2003 der Sozialistischen Internationale (SI) angehört. Mit dem NDC verschaffte sich der 1981 durch seinen zweiten Putsch nach 1979 erneut zur Macht gelangte ehemalige Fliegerleutnant Rawlings seine demokratische Plattform. Er wurde 1992 und 1996 vom Volk gewählt, hielt sich vor vier Jahren zur Überraschung mancher an die ghanaische Verfassung und verzichtete auf eine dritte Kandidatur. Das kam Kufuor zugute, der 1996 klar gegen Rawlings verloren hatte, gegen dessen letzten Stellvertreter Mills 2000 jedoch im zweiten Wahlgang deutlich siegte. 20 Jahre Rawlings sind genug - wir wollen sehen, was eine andere Regierung leisten kann, war damals der Tenor. Nun lautet er: Vier Jahre sind zu kurz, um ein definitives Urteil zu fällen. Kufuor soll eine zweite Chance erhalten, um seine Versprechen von 2000 einzulösen. Zum Beispiel freie Schulbildung: Davon ist nichts zu sehen und von Kufuor dazu auch nichts mehr zu hören. Ein Trimester kostet auf öffentlichen Schulen zwischen 400000 und 700000 Cedis (35 bis 60 Euro), auf Privatschulen beträchtlich mehr. Das können sich viele Familien bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 320 US-Dollar im Jahr nicht leisten. Über eine Million Kinder im Alter zwischen 5 und 13 Jahren gehen nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einer Beschäftigung nach. Ob in den Städten als fliegende Händler oder als Helfer in der Landwirtschaft - Kinder müssen zum Familieneinkommen beitragen, denn auch in Sachen Arbeitslosigkeit hat Kufuor nichts bewegt, auch wenn er von über 300000 neuen Jobs spricht. Selbst die überzeugte NPP-Wählerin Tsoene gibt unumwunden zu, dass Kufuor seine Versprechen nicht eingehalten hat und das Leben insgesamt schwieriger geworden sei. Das heißt vor allem teurer. Denn eine der ersten Maßnahmen Kufuors war die Benzinpreiserhöhung um 64 Prozent, womit zwangsläufig auch die Kosten für Transport und Nahrungsmittel stiegen - um rund 40 Prozent. Zwischen 10 und 15 Prozent pro Jahr belief sich die Geldentwertung in der Amtszeit Kufuors - moderate Raten für ein Entwicklungsland. Überhaupt sind es die makroökonomischen Daten, mit denen der im Volksmund »Gentle Giant« (höflicher Riese) genannte Präsident hausieren geht: 5,2 Prozent Wirtschaftswachstum 2003, sinkende Kreditzinsen für Investitionen, relativ stabiler Wechselkurs. Viele Ghanaer hoffen, dass sich diese durchaus bemerkenswerten Daten künftig in einer Verbesserung ihrer Lebensumstände niederschlagen; auch weil viele im NDC keine Alternative sehen. Ihnen gilt Rawlings nicht zu Unrecht nach wie vor als der Übervater der Partei. Der Juraprofessor John Atta Mills hat es bis heute nicht geschafft, sich überzeugend von seinem langen Schatten zu lösen. Und zurück in die Zukunft wollen die Ghanaer nicht. Das Geld für einen zweiten Wahlgang könne man sich sparen, zeigt sich Kufuors Stellvertreter Alhaji Aliu Mahama vom Erreichen der 50-Prozent-Grenze im ersten Durchgang überzeugt. Das ist wahrscheinlich, aber nicht sicher. Sicher ist, dass die Bevölkerung im Februar die nächste Rechnung präsentiert bekommt. Dann steht die Deregulierung aller erdölabhängigen Preise...

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