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Tipps aus dem Hammelburger Trainingscamp?

Foltervorwürfe auch im österreichischen Bundesheer - das »Drehbuch« soll aus Bundeswehreinrichtung stammen

Thema Folter. Es ist fast wie im Film: Die Untersuchung ist beendet, vergessen sie alles. Verteidigungsminister Peter Struck(SPD) will es bei den bekannten »Einzelfällen« belassen. Doch kaum deutet sich Ruhe an, da werden neue Fragen gestellt. In Österreich.
Nicht nur die Bilder gleichen sich. Auch das österreichische Bundesheer hat Grund, Foltervorwürfen nachzugehen. In der Freistädter Tilly Kaserne waren Wehrpflichtige übel behandelt worden. Man zog ihnen stinkende Kapuzen über den Kopf, drangsalierte sich, warf sie auf stinkende Abfallhäufen. Es besteht »der Verdacht der Körperverletzung unter Ausnutzung der Amtsstellung«, kommentierte Staatsanwalt Rainer Schopper und denkt an bis zu drei Jahre Haft. Kommt »entwürdigender Behandlung« hinzu, kann man zwei weitere Jahre addieren. Auch die »Null-Toleranz«-Reaktion von Verteidigungsminister Günther Platter glich in vielem der seines deutschen Kollegen. Nur dass der Mann aus Wien einen Schritt weiterging und sich »im Namen des Österreichischen Bundesheeres bei allen betroffenen Grundwehrdienern« entschuldigte. Möglicherweise wird Struck das - was er gegenüber den eigenen Soldaten versäumt hat - demnächst gegenüber Rekruten im Nachbarland nachholen müssen. Denn: Bei den Untersuchungen im Bundesheer entdeckte man eine Spur, die nach Deutschland an die Bundeswehr-Infanterieschule Hammelburg führt. Angeblich wurde hier das »Drehbuch« für das Foltertraining geschrieben. Österreichische Jagdkommandosoldaten, die dort zur Ausbildung waren, hätten es aufmerksam studiert und adaptiert. Vor etwa zwei Jahren, so recherchierte der »Kurier«, sollen Offiziere des Jagdkommandos bei Dienststellen des Bundesheeres Vorträge über die Kurse in Hammelburg gehalten haben. Dabei wurden Ausbildungsvideos gezeigt, die den Szenen von Freistadt stark ähnelten. Hammelburg hat Skandalerfahrung. Nicht nur, weil sich hier Nazi-Ritterkreuzträger mit Bundeswehr-Offizieren versammelten. Bekannt ist ein Vorkommnis von 1996: Soldaten »spielten« auf dem bayerischen Trainingsfeld vor der Videokamera erschießen und foltern. Das Wiener Verteidigungsministerium bestätigte gegenüber ND: Seit 1995 üben österreichische Jäger in Hammelburg. Möglicherweise haben einige zu engen Kontakt mit einen »Iwan Gewaltowitsch« - so heißen im Militärjargon jene Ausbilder, die als Wegelagerer für Übungseinlagen sorgen - gehabt. In der Regel laufe die Kooperation gut. Das bestätigen auch jene Jäger, die unter Oberstleutnant Horak, ab 21. Januar 2002 ihren Afghanistan-Schliff in Hammelburg bekamen. Gemeinsam mit ihnen übten damals 200 Mann des Bundeswehr-Fallschirmjäger-Bataillon 313. Das ist auf besonders »kitzlige« Operationen abboniert. Die Vorwürfe aus Österreich haben auf der gestrigen Kommandeursberatung in Hammelburg keine Rolle gespielt. Man hält sie sowieso für »aus der Luft gegriffen«. Sicher mache man Jahr um Jahr Hunderte ausländische Gäste auch mit dem »Problem Geiselnahme« bekannt. Jüngst hätten sich israelische Militärs interessiert. Doch alles sei nur dazu gedacht, Soldaten bestmöglich auf Gefahren vorzubereiten. Damit keiner »über die Stränge schlägt«, hat die Führung auch diesen Ausbildungspart von Rechtsberatern überprüfen lassen. Das Wiener Ministerium jedenfalls wollte »die Drehbuch-Theorie« derzeit nicht kommentieren. Man wartet den Bericht der Untersuchungskommission ab. So etwas gibt es in hier zu Lande nicht.

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